Kurt Arams "Familie Dungs" entfaltet das Porträt eines Familienverbandes, in dem private Gewohnheit, soziale Geltungssucht und moralische Selbsttäuschung ineinandergreifen. Der Roman steht im Umfeld der bürgerlichen Erzählprosa um die Jahrhundertwende, verbindet realistische Milieubeobachtung mit satirischer Schärfe und richtet den Blick weniger auf äußere Sensation als auf die feinen Mechanismen familiärer Macht. Arams Stil ist präzise, ironisch kontrolliert und psychologisch aufmerksam; gerade im Alltäglichen legt er gesellschaftliche Strukturen frei. Kurt Aram, Pseudonym des deutschen Schriftstellers und Publizisten Hans Fischer, war ein Autor mit wachem Interesse an Kulturkritik, Religion, Politik und den geistigen Spannungen der Moderne. Seine journalistische Erfahrung schärfte den Blick für soziale Masken, öffentliche Rhetorik und die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Diese Beobachtungsgabe dürfte auch "Familie Dungs" geprägt haben: Das Buch wirkt wie eine literarische Untersuchung jener bürgerlichen Lebensformen, die Stabilität versprechen und doch innere Konflikte erzeugen. Empfohlen sei "Familie Dungs" Leserinnen und Lesern, die an kluger Gesellschaftsanalyse, charaktergenauer Prosa und historisch aufschlussreicher Familienliteratur interessiert sind. Der Roman überzeugt nicht durch bloße Handlung, sondern durch seine diagnostische Kraft: Er zeigt, wie eine Familie zum Spiegel einer ganzen Epoche wird. Diese erweiterte Ausgabe wurde mit großer Sorgfalt gestaltet, um Ihr Leseerlebnis zu bereichern. - Sorgfältig ausgewählte unvergessliche Zitate heben Momente literarischer Brillanz hervor. - Interaktive Fußnoten erklären ungewöhnliche Referenzen, historische Anspielungen und veraltete Ausdrücke für eine mühelose, besser informierte Lektüre.



Klappentext

Dieses eBook: "Familie Dungs" ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Aus dem Buch: "Schwester Emma wurde so ärgerlich, daß sie beinahe angefangen hätte, von Frau Anton Dungs junior, der Frau Adele, zu sprechen, denn das war doch der beste Beweis für ihre Anschauung, und diesem Beweis konnte sich auch Frau Dungs senior nicht verschließen, wo sie das Unglück doch in der eigenen Familie erlebt hatte. Aber Schwester Emma besann sich noch rechtzeitig, daß Frau Dungs eine solche Bemerkung vielleicht übel aufnahm, und sie wollte es jetzt nicht mit ihr verderben. Schwester Emma erhob sich, bedankte sich noch einmal für den Urlaub, versprach, so bald wie möglich wieder hier zu sein, und wenn Frau Dungs sie früher nötig habe, so möge sie doch bitte telephonieren lassen, denn sie gehe nur zu Helene Momm, und entfernte sich. Als sie auf der Straße stand, schüttelte sie bedenklich den Kopf. Kein Zweifel, Frau Dungs war nicht mehr recht bei Verstand. Anders ließ es sich wohl nicht gut erklären, daß sie so laxe Anschauungen hatte. Auch hatte sie sich ja leider schon immer so viel mit Musikanten und Schauspielern abgegeben. Das war nun die Folge davon. Wie das schon aussah, die zwei Löwen hier vor der Tür. Als ginge es in eine Menagerie. Und all diese Büsten in dem Wintergarten. So etwas gehörte doch nicht auf die Straße, sondern in ein Museum. Nein, mit der alten Frau Dungs war es nicht mehr ganz richtig, und Herr Anton Dungs junior hatte wirklich keinen leichten Stand in seiner Familie. Und dort auf dem Hotelbalkon stand natürlich das junge Fräulein von heute morgen und sah in die Luft. Hätte sie wenigstens gesessen und eine Handarbeit im Schoß gehabt, aber so. Es war noch nicht vier Uhr nachmittags. Da hat man doch keine Zeit, einfach auf dem Balkon zu stehen und in die Luft zu gucken." Kurt Aram (1869-1934) war ein deutscher Journalist und Schriftsteller.

Titel
Familie Dungs
Untertitel
Erweiterte Ausgabe. Brgerliche Familiensatire ber Moral, Macht und Selbsttuschung in der wilhelminischen Gesellschaft
kommentiert von
Editor
EAN
9788026873549
Format
E-Book (epub)
Hersteller
Digitaler Kopierschutz
Wasserzeichen
Dateigrösse
0.77 MB
Anzahl Seiten
193