Als Leo Trotzkis Autobiografie 1929 erstmals erschien, wurde sie nicht nur als politisches Dokument, sondern auch als literarisches Meisterwerk anerkannt. Bertolt Brecht bezeichnete Trotzki in einem Gespräch mit Walter Benjamin als den »größten lebenden Schriftsteller«. Der renommierte Schriftsteller und Journalist Emil Ludwig schrieb im »Berliner Tageblatt«: »Ein großer Schriftsteller hat hier sein fantastisches Leben so geschildert, dass ich nicht begreife, warum man noch immer Romane liest oder gar schreibt.« Bis heute fasziniert das Buch durch seine erzählerische Kraft, seine Porträts, seinen Witz und seine dramatische Darstellung einer Epoche von Krieg, Revolution und Exil. Trotzki schildert sein Leben nicht als private Erinnerung, sondern als Teil der großen Umwälzungen des 20. Jahrhunderts. Die Neuauflage macht ein Werk zugänglich, das Literatur, Geschichte und Politik auf einzigartige Weise verbindet.

Autorentext
Leo Trotzki wurde 1879 als Sohn jüdischer Bauern in der Ukraine geboren und schloss sich als Student der marxistischen Bewegung an. Er spielte eine führende Rolle in den Revolutionen von 1905 und 1917. Nach der Oktoberrevolution baute er die Rote Armee auf. 1923 gründete er die Linke Opposition, die den Kampf gegen die bürokratische Entartung der Sowjetunion führte, und 1938 rief Trotzki die Vierte Internationale ins Leben. 1940 wurde er im mexikanischen Exil von einem stalinistischen Agenten ermordet.

Leseprobe
Vorwort Unsere Zeit ist reich an Memoiren, vielleicht reicher als jede frühere. Das kommt daher, weil es viel zu erzählen gibt. Das Interesse für Zeitgeschichte ist umso gespannter, je dramatischer die Zeit und je reicher sie an schroffen Wendungen ist. Die Kunst der Landschaftsmalerei konnte nicht in der Sa-hara entstehen. An der Wende zweier Epochen, wo wir stehen, hat man das Bedürfnis, auf den erst gestern vergangenen, aber schon so fernen Tag mit den Augen derer, die ihn aktiv miterlebt haben, zurückzublicken. Darin liegt wohl die Erklärung für die ungeheure Entwicklung der Memoiren-literatur seit dem letzten Krieg. Vielleicht ist hier auch die Rechtfertigung für das vorliegende Buch zu finden. Schon die Möglichkeit, es zu schreiben, ist nur durch die Pause in der aktiven politischen Tätigkeit des Autors entstanden. Eine unvorhergese-hene, wenn auch nicht zufällige Etappe meines Lebens ist Konstantinopel geworden. Im Biwak nicht zum ersten Mal in meinem Leben harre ich hier geduldig dessen, was weiter kommen wird. Ohne eine Dosis »Fatalis-mus« wäre das Leben eines Revolutionärs überhaupt unmöglich. Jeden-falls ist die Konstantinopeler Pause der geeignetste Moment, Rückschau zu halten, bevor die Umstände es wieder erlauben, weiterzuschreiten. Anfangs schrieb ich flüchtige autobiografische Skizzen für die Zei-tungen und dachte, mich damit zu begnügen. Ich möchte hier noch fest-stellen, dass ich in meinem Asyl keine Möglichkeit hatte, zu verfolgen, in welcher Gestalt diese Skizzen den Leser erreicht haben. Jede Arbeit aber hat ihre Logik. Ich kam erst in dem Augenblick in mein Thema recht hinein, als ich die Zeitungsartikel fast beendet hatte. Nun beschloss ich, dieses Buch zu schreiben. Ich nahm einen anderen, viel breiteren Maßstab und begann die Arbeit von Neuem. Die ursprünglichen Zeitungsartikel und das vorliegende Buch haben nur das gemein, dass beide den gleichen Stoff behandeln. Im Übrigen sind es zwei voneinander völlig verschiedene Werke.

Inhalt
Vorwort zur deutschen Ausgabe von David North Vorwort Janowka Nachbarn, erste Schule Familie und Schule Bücher und erste Konflikte Dorf und Stadt Das Jahr der Wende Meine erste revolutionäre Organisation Meine ersten Gefängnisse Die erste Verbannung Die erste Flucht Erste Emigration Der Parteikongress und die Spaltung Rückkehr nach Russland 1905 Prozess, Verbannung, Flucht Die zweite Emigration und der deutsche Sozialismus Vorbereitung zur neuen Revolution Der Beginn des Krieges Paris und Zimmerwald Ausweisung aus Frankreich Durch Spanien In New York Im Konzentrationslager In Petrograd Über die Verleumder Vom Juli zum Oktober Die Nacht, die entscheidet »Trotzkismus« im Jahre 1917 An der Macht In Moskau Verhandlungen in Brest Der Frieden Ein Monat in Swijaschsk Der Zug Die Verteidigung Petrograds Militärische Opposition Meinungsverschiedenheiten über Kriegsstrategie Der Übergang zur Neuen Ökonomischen Politik und meine Beziehungen zu Lenin Lenins Krankheit Die Verschwörung der Epigonen Der Tod Lenins und die Machtverschiebung Die letzte Periode des Kampfes innerhalb der Partei Verbannung Die Vertreibung Der Planet ohne Visum Zu diesem Buch Organisationen und Zeitungen Personenverzeichnis Register
Titel
Mein Leben
Untertitel
Versuch einer Autobiografie
EAN
9783886348497
Format
E-Book (pdf)
Hersteller
Digitaler Kopierschutz
Wasserzeichen
Dateigrösse
5.79 MB
Anzahl Seiten
670
Auflage
1. Auflage