Liz Balfour ist das Pseudonym einer erfolgreichen deutschen Autorin, die 1968 geboren wurde und nach ihrem Studium der Theaterwissenschaften unter anderem als Dramaturgin arbeitete. Ihre große Liebe zu Irland, zum County Cork und zur wildromantischen Küste der grünen Insel inspirierte sie zu ihren erfolgreichen Familiengeheimnisromanen. Bei dotbooks erschienen bereits die Romane »Ich schreib dir sieben Jahre« und »Die dritte Schwester«.
Autorentext
Liz Balfour ist das Pseudonym einer erfolgreichen deutschen Autorin, die 1968 geboren wurde und nach ihrem Studium der Theaterwissenschaften unter anderem als Dramaturgin arbeitete. Ihre große Liebe zu Irland, zum County Cork und zur wildromantischen Küste der grünen Insel inspirierte sie zu ihren erfolgreichen Familiengeheimnisromanen. Bei dotbooks erschienen bereits die Romane »Ich schreib dir sieben Jahre« und »Die dritte Schwester«.
Leseprobe
Kapitel 1
»Tee ist gerade aus«, sagte der Wirt der Pine Lodge.
»Tee ist aus?«
»Lieferantenengpass. Lange Geschichte.« Er lachte. »Morgen ist wieder welcher da.«
»Dann nehm ich ...«
»Ein Bier?«
»Nicht sonntagmittags um zwölf, danke.«
»Ich sag's auch keinem weiter.« Er grinste und hielt ein Pintglas hoch.
Ich musste lachen, schüttelte aber den Kopf. »Versuchen wir es mit Orangensaft.«
»Tja ...«
»Was ist? Ist Orangensaft auch aus?«
»Ich weiß nicht, ob ich das verantworten kann, am Sonntagmittag.«
Mittlerweile lachte das halbe Pub über uns. Der Wirt schob mir augenzwinkernd den Saft herüber, und ich musste ihm beichten, dass ich vergessen hatte, Pfund in Euro zu wechseln. An alles hatte ich gedacht. Wie üblich, wenn ich irgendwohin flog, war ich perfekt ausgerüstet, ganz so als befürchtete ich, drei Wochen lang auf einer einsamen Insel zu stranden. Ich hatte auch alle Akten mitgenommen, die ich bis nächste Woche durcharbeiten wollte. Sogar Handtücher hatte ich eingepackt, obwohl ich bei meiner Mutter wohnen und nur zwei Nächte bleiben würde. Von einer überraschenden Handtuchknappheit im County Cork war mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht auszugehen. Aber so war ich nun mal: für jeden Notfall ausgerüstet. Nur diesmal hatte ich vergessen, Geld zu wechseln. Das war mir noch nie passiert.
Der Wirt zog das volle Glas zurück und sagte streng: »Für britische Pfund gibt's nur Bier.«
Für einen Moment glaubte ich wirklich, er meinte es ernst, aber dann sah ich, wie seine Mundwinkel zuckten.
»Ich besuche meine Mutter«, erklärte ich. »Sie sollte schon längst hier sein, um mich abzuholen. Bestimmt kommt sie jeden Moment. Dann gibt sie Ihnen das Geld.«
»Wer ist denn Ihre Mutter?«, fragte er, doch ein wenig misstrauisch. »So viele Engländerinnen gibt es in unserem schönen Myrtleville nicht.«
»Deirdre Sullivan.«
Er riss staunend die Augen auf. »Dann musst du die kleine Alannah sein! Das kann ich kaum glauben! Was für eine Überraschung! Ich bin Gerry. Bestimmt erinnerst du dich kein Stück mehr an den alten Gerry ...«
Seit Jahren hatte mich niemand mehr Alannah genannt. »Ally Russell, wenn's recht ist. So heiß ich jetzt. Freut mich sehr.«
Wir schüttelten uns die Hand, und er strahlte immer noch. Von sich selbst als dem alten Gerry zu sprechen, war völlig übertrieben. Er war noch keine fünfzig, hatte volles schwarzes Haar und eine beachtlich sportliche Figur. »Ganz die Mutter«, behauptete er. »Bis auf den Akzent. Dass ich da nicht gleich draufgekommen bin, so ähnlich, wie ihr euch seht. Du klingst gar nicht mehr nach Myrtleville. Wie lange bist du schon in England? Zehn Jahre?«
»Zwanzig.«
»Niemals! Du bist doch erst ...« Er schien nachzurechnen. »Was denn, so lange ist das schon her? Verdammt, wir werden nicht jünger. Das gilt für uns beide! Also, der Orangensaft geht auf mich.« Er lächelte versonnen. »Die kleine Alannah Sullivan«, hörte ich ihn murmeln, während ich mir mit dem Glas in der Hand einen Platz suchte und ihn den anderen Gästen überließ.
Ich zog mein Handy aus der Tasche und rief bei meiner Mutter an, aber sie ging nicht ans Telefon. Sicher war sie schon unterwegs. Ich wollte hier auf sie warten.
Heute Morgen war ich in London bei schönstem Frühlingswetter ins Flugzeug gestiegen und hatte mich auf die satten grünen Hügel des County Cork gefreut. Besonders der Anblick von Cork Harbour, einem der größten Naturhäfen der Welt, war aus der Luft atemberaubend. Doch als wir über Bristol flogen, war die Wolkendecke zu dicht, um etwas zu sehen, und kurz vor dem Landeanflug auf Cork informierte uns der Pilot, dass es an unserem Zielflughafen regnete und ein paar Grad kühler war als in London. Er hatte schamlos gelogen: Es schüttete, und der Wind fühlte sich eiskalt an. Trotzdem hatte ich versucht, der Busfahrt nach Myrtleville etwas abzugewinnen. Die Landschaft ist zun