Das Leben kann ganz schön hart sein, findet Loretta Luchs. Der Job an der Sex-Hotline ist anstrengend, der Freund zu Hause erst recht. Um mal in Ruhe nachzudenken, zieht sie für ein paar Sommertage in den Schrebergarten ihrer Freundin Diana. Für Loretta ist die Kolonie 'Saftiges Radieschen' das Paradies auf Erden. Selbst die ständige Präsenz von Muskelprotz Frank, der schneller redet als denkt, kann das Idyll nicht stören. Wohl aber die Tatsache, dass Parzellennachbar Uwe eines schönen Sommermorgens kopfüber in seiner Regentonne steckt - mausetot.

Lotte Minck ist von Geburt halb Ruhrpottgöre, halb Nordseekrabbe. Nach 50 Jahren im Ruhrgebiet entschied sie sich, an die Nordseeküste zu ziehen. Ihre Heldin Loretta Luchs und alle Personen in Lorettas Universum sind eine liebevolle Huldigung an Lotte Mincks alte Heimat. Gemeinsam mit Edda Minck veröffentlichte sie die erfolgreichen Maggie Abendroth-Krimis.

Autorentext
Lotte Minck ist von Geburt halb Ruhrpottgöre, halb Nordseekrabbe. Nach 50 Jahren im Ruhrgebiet entschied sie sich, an die Nordseeküste zu ziehen. Ihre Heldin Loretta Luchs und alle Personen in Lorettas Universum sind eine liebevolle Huldigung an Lotte Mincks alte Heimat. Gemeinsam mit Edda Minck veröffentlichte sie die erfolgreichen Maggie Abendroth-Krimis.

Leseprobe

Kapitel 1

Wer die Hände in den Schoß legt, muss nicht untätig sein
(wie schon Casanova wusste)

»Uuuuuunnnnghhhhh«, machte der Mann.

Die allermeisten Männer machen uuuuunnnnghhh in diesem Moment der Erfüllung (oder Entleerung). Andere grunzen oder gurgeln oder stammeln unartikulierte Wortfetzen, manche rufen nach ihrer Mama. Doch, tatsächlich - nach ihrer Mama. Auch der liebe Gott im Himmel wird zuweilen bemüht, vielleicht aus Dankbarkeit oder in nachgerade religiöser Ekstase, keine Ahnung. Ich hatte mir schon oft vorgenommen, eine Strichliste zu führen, vergesse es aber immer wieder.

Was aber feststeht, ist, dass uuuuunnnnghhh die Charts unangefochten anführen wird.

Todsicher.

Auf das uuuuunnnnghhh folgt traditionell Stille. Tiefe, erschöpfte, im Optimalfall zufriedene Stille. Dann hatte ich meine Sache gut gemacht.

So wie jetzt. Ich musste einfach abwarten, dass er wieder zu Sinnen kommen würde, und blätterte derweil müßig in dem zerlesenen Klatschblättchen, das über der Tastatur lag. Ich hatte jede Menge Zeit, die Uhr tickte ja weiter.

Sieh da, dieses frisch getrennte internationale Topmodel hat also angeblich einen Neuen, ist ja interessant ... Ich studierte die Hochglanzfotos der spektakulär geschminkten Stabheuschrecke - eine andere Bezeichnung für dieses klapperdürre pseudoweibliche Wesen fiel mir beim besten Willen nicht ein -, die mit gelangweiltem Gesichtsausdruck sündhaft teure Kleider vorführte. Bevor ich mich in den mehrseitigen Artikel, der bestimmt ein Musterbeispiel für investigativen Journalismus und eines Pulitzer-Preises würdig sein würde, vertiefen konnte, hatte die Stille ein Ende und der Mann meldete sich wieder zu Wort.

»Du bist die Beste, Ludmilla«, sagte er. »War es für dich auch so schön?«

Klassiker: War es für dich auch so schön? Aber sicher, Schatz, was sonst? Hast du das denn nicht gemerkt? Ehrlich - hätte man mir für jedes War es für dich auch so schön?, das ich hier zu hören bekam, stattdessen einen Fünfer gegeben, würde ich Ferrari fahren, in einem Schloss wohnen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Oh, ihr armen Naiven ...

»Natürlich, das weißt du doch, Liebling«, gurrte ich mit schwerem russischen Akzent, »du machst mich immer ganz verrückt.«

Der Mann lachte geschmeichelt. »Dann bis morgen. Wir haben einen Termin, meine Süße.«

Mit der genau richtigen - weil nur dann überzeugenden - Dosis Enthusiasmus und Vorfreude in der Stimme säuselte ich: »Ich freue mich schon.«

Der Mann legte auf, und ich drückte die Pausentaste des Telefons. Ludmilla, die rassige Russin, brauchte dringend mal ein paar Minuten für sich. Ich nahm mein Headset ab und wurde von einer vielstimmigen Woge aus Stöhnen, Liebesgesäusel und herrisch gebellten Befehlen überschwemmt.

In der Kabine links neben mir schlug Diana mit einem Holzlineal rhythmisch auf ihren Tisch, hörte dann plötzlich damit auf und schrie: »Erst morgen kriegst du mehr, verstanden? Heute bist du mir nicht dankbar genug!«

Genau wie ich nahm sie ihr Headset ab und klinkte sich aus der Leitung aus. Dann drehte sie sich zu mir um, zog eine Grimasse und sagte: »Echt zum Abgewöhnen, diese Luschen. Kleine Pause?«

Wir setzten uns auf die Bank vor dem Gebäude. Diana steckte sich sofort eine Zigarette an. Sie blinzelte in die Sonne und inhalierte tief. Dann sagte sie: »Gibt noch Regen heute. Macht aber nix. Hab ja jetzt ein Dach über der Terrasse.«

»Dank Frank.«

»Genau. Dank Frank.« Sie rauchte ein paar Züge. »Und sonz? Du warst heute Morgen zu spät.«

»Ach was? Hab ich gar nicht gemerkt.«

»Ärger zu Hause?«

»Und wenn?«

Sie musterte mich aufmerksam von der Seite, während ich stur geradeaus starrte und vorgab, der vergebliche Einparkversuch einer Frau mit einem viel zu großen Auto auf dem Supermarktparkplatz gegenüber beanspruche meine gesamte Aufmerksam

Titel
Radieschen von unten
Untertitel
Eine Ruhrpott-Krimödie mit Loretta Luchs
EAN
9783770041138
ISBN
978-3-7700-4113-8
Format
E-Book (epub)
Herausgeber
Veröffentlichung
01.09.2013
Digitaler Kopierschutz
Wasserzeichen
Dateigrösse
3.95 MB
Anzahl Seiten
256
Jahr
2013
Untertitel
Deutsch
Features
Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet
Lesemotiv