Willkommen auf dieser ziemlich deutschen spanischen Insel! Im Clubhotel mit allen Schikanen und Gästen, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Oliver, der mit Frau und Zwillingen im Ersatzzimmer mit Ameisen und hauchdünnen Wänden einquartiert und im Pool mit Schwimmnudeln attackiert wird, bis er die Abendshow sprengt. Susan, die ihrem Leben ein Ende setzen will, es aber ums Verrecken nicht schafft. Moritz, Schauspieler und Star, der sich lieber als sein Doppelgänger ausgibt. Jessica, die auch in den Ferien durcharbeitet, zwei SMS verwechselt und am Ende ohne Job und ohne Freund dasteht. Und Mario, Profi-Liegen-Reservierer und ausgekochter Pauschalurlauber, der jedes All-inclusive-Angebot mitnimmt ...

Mark Spörrle, geboren 1967, ist Redakteur bei der Zeit und schreibt satirisch-humorvolle Bücher über den irrwitzigen Alltag. Zu den erfolgreichsten zählen 'Ist der Herd wirklich aus?' und 'Aber dieses Jahr schenken wir uns nichts!'. Der Bahnreiseführer 'Senk ju vor träwelling', den er mit Lutz Schumacher verfasste, stand über ein Jahr unter den Top 20 der SPIEGEL-Bestsellerliste. Mark Spörrle lebt mit seiner Familie in Hamburg.

Vorwort
Erholen können Sie sich woanders!

Autorentext

Mark Spörrle, geboren 1967, ist Redakteur bei der Zeit und schreibt satirisch-humorvolle Bücher über den irrwitzigen Alltag. Zu den erfolgreichsten zählen "Ist der Herd wirklich aus?" und "Aber dieses Jahr schenken wir uns nichts!". Der Bahnreiseführer "Senk ju vor träwelling", den er mit Lutz Schumacher verfasste, stand über ein Jahr unter den Top 20 der SPIEGEL-Bestsellerliste. Mark Spörrle lebt mit seiner Familie in Hamburg.



Leseprobe

Samstag

PETE

Es war dumm. Idiotisch. Unverzeihlich.

Wieso hatte er unbedingt duschen wollen?

Und wenn es schon sein musste: Warum hatte er die Badezimmertür geschlossen?

Nun stand er da. Nackt. Den Hohlgriff in der Hand. Die andere Hälfte der Klinke lag nebenan im Hotelzimmer. Und so sehr Pete an dieser Tür rüttelte: Sie bewegte sich nicht.

Wie gesagt: Das war mindestens dumm. Auf Island machte Vulkan Katla Anstalten auszubrechen, und darauf wartete Pete, seit er seine revolutionäre Theorie der kreuzweisen Vorbeben entwickelt hatte zuerst im Waschkeller des Instituts, dann im Vulkansimulator in Kalifornien. Seither litt Pete unter Ohrensausen und einem kleinen Knalltrauma. Aber seine Theorie würde ihn zur weltweiten Vulkankoryphäe Numero Uno machen.

Nur der Praxisbeweis fehlte noch. Sein Flug hier von der Insel mit Umsteigen in Frankfurt und Oslo ging in zwei Stunden.

Pete öffnete das Fenster. Vier Stockwerke unter ihm lag der Pool. Obwohl es früh am Morgen war, hüpften im Wasser ein paar Leute in Badezeug wie aufgezogen auf der Stelle. Aus den Lautsprechern dröhnte es: »Hey, das geht ab. Wir feiern die ganze Nacht, die ganze Nacht. Hey, das geht ab. Wir feiern die ganze Nacht!«

Pete blieb keine Wahl.

»Help«, rief er. »Help! Help! Help me!«

Pete hatte eine ungeübte Stimme; der Forschung wegen beschränkte er seine Auftritte im Hörsaal auf ein Minimum. Auch privat gab es nie Anlass zum Schreien, er war Single.

Das rächte sich nun. Keiner hob den Kopf, so sehr er auch rief.

OLIVER

Dr.Obernhöffler war stärker als er. Er drückte ihn gegen den Schreibtisch, packte ihn mit einer Hand an der Kehle. Und schrie, es sei nichts Persönliches, aber er müsse Oliver nun leider in Stücke hacken, um den viel zu niedrigen Fleischanteil des neu entwickelten Welpenfutters zu erhöhen. »Aufwachen«, schrie Obernhöffler mit Schaum vor dem Mund. »Aufwachen Oliver! Steh sofort auf! Wir sind viel zu spät! Wegen dir!«

Sein grausamer Chef sprach mit der Stimme von Anna, seiner Frau. Es WAR Anna. »Du hast den Wecker zu spät gestellt«, rief sie. »Oliver, was ist denn los mit dir? Wie sollen wir das noch schaffen?«

Oliver taumelte aus dem Bett wie ein angeschossenes Nilpferd.

Es folgte der ganz normale Wahnsinn: Die Kinder wecken. Die Kinder anziehen, Waschen fiel aus, weil sie so schlechte Laune hatten, dass sie kein bisschen mitmachten. Frühstück fiel aus. Den Müll mit runternehmen fiel erst recht aus; der Taxifahrer klingelte schon zum zweiten Mal. Auf halbem Weg zum Flughafen fiel Anna dann ein, wo die Tickets waren: In ihrer braunen Handtasche leider hielt sie die schwarze auf dem Schoß. Auch der Fahrer machte kein bisschen mit: Er weigerte sich, schneller als erlaubt oder auch nur über eine einzige rote Ampel zu fahren. »Was habe ich davon, Familien geben sowieso nie Trinkgeld«, brummte er. Er hatte sich nicht getäuscht.

Beim Einchecken verschlechterte sich Annas ohnehin angespannte Laune rapide, als Oliver ihr euphorisch den Grund für das Übergepäck gestand.

»Die Boulekugeln!« Sie sah ihn an, als habe er heimlich die Mülltonne eingepackt.

Oliver hatte gehofft, sie würde ihm um den Hals fallen. Immerhin hatten sie die Boulekugeln in allen Urlauben vor der Geburt der Kinder

Titel
Weg da, das ist mein Handtuch
Untertitel
Auf der Suche nach dem perfekten Urlaub
EAN
9783492952866
Format
E-Book (epub)
Herausgeber
Digitaler Kopierschutz
Wasserzeichen
Dateigrösse
0.79 MB
Anzahl Seiten
208
Features
Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet