Manche Verträge sind älter als jede lebende Erinnerung. Und manche wurden nie dafür gemacht, eingehalten zu werden. Er ist Archivar zweiter Ordnung im Zentralarchiv der Zehntausend Siegel, ein Mann der Ränder und Fußnoten, der einen Dialekt liest, den im ganzen Reich nur noch drei Menschen beherrschen. Sein Leben besteht aus Staub, Papier und der wohltuenden Gewissheit, dass ihn niemand braucht. Bis ihm ein Fragment auf den Tisch kommt, das er besser nie entziffert hätte: der Pakt von Weißstrom, fünfhundert Jahre alt, mit einer Zeile am Rand, die eine Hand schrieb, als niemand mehr zusah. Denn der Vertrag, der einst den Aschekrieg beendete, trägt eine Klausel, die nie erfüllt wurde. Und die Macht, an die sie bindet, eine Nebelfürstin aus einem Haus, das längst als erloschen gilt, hat nicht vergessen. Sie hat nur gewartet. Was als bürokratische Ungereimtheit beginnt, wird zu einer Reise zwischen verblassten Urkunden und lebendigem Frost, zwischen den Interessen der großen Häuser und einer Frau, die zugleich Vertragspartnerin, Bedrohung und etwas ist, das der Archivar sich nicht einzugestehen wagt. Ein alter Eid verlangt seinen Preis. Und langsam ahnt er, dass die Tinte eines Vertrags nie ganz trocknet, solange noch jemand lebt, der ihn lesen kann. Ein atmosphärischer Fantasyroman über alte Schwüre, kalte Magie und eine leise Liebe, die zwischen den Zeilen einer Urkunde wächst. Für alle, die Archive und Geheimnisse, langsam entfachte Gefühle und eine Welt lieben, in der Worte bindender sind als jedes Schwert.
Autorentext
Hinter der ruhigen Fassade des Alltags verbirgt sich bei Markus Bumb eine unbändige Faszination für tiefgründige Welten und vergessene Mythen. Am Schreibtisch gibt es keine Grenzen: Hier verschmelzen historische Sagen, dunkle Atmosphäre und fantastische Elemente. Im Zentrum stehen oft starke Frauen, die sich in einer von Männern dominierten Welt behaupten und ihr eigenes Schicksal schmieden. Ob die antike Priesterin in Enheduanna, das Mysterium der Töchter von Lemnos oder die dem Wahnsinn verfallene Laodamia: Markus verleiht diesen Figuren eine kraftvolle Stimme. Mit Tinte und Reif wagt er sich in die Romantasy, in der alte Schwüre und eine leise Liebe aufeinandertreffen. Ruht die Feder, genießt er das ganz normale Leben fernab von antiken Intrigen und dunkler Magie.