Einst als bloße Unterkategorie von Stadt gedacht, erleben Quartiere seit einigen Jahren eine Wiederentdeckung in Planung und Forschung. Sie gelten als Orte, an denen sich gesellschaftlicher Wandel im Alltag manifestiert, als Nuklei des bürgerschaftlichen Engagements, aber auch als Labore neuer stadtentwicklungspolitischer und immobilienökonomischer Strategien. Dadurch entstehen Fragen zur Regulation auf der Planungs- und Steuerungsebene. Die Autoren des vorliegenden Bandes zeigen unterschiedliche Governance-Konzepte, Instrumente und Modelle sowie Beispiele aus der Praxis der Quartiersentwicklung auf.
Das Buch wendet sich an ForscherInnen, Lehrende und Studierende der Stadtgeographie, der Stadtsoziologie und verwandter Disziplinen sowie an Akteure aus der Praxis der Stadtplanung und der (Kommunal-)Politik.
Theoretische und praktische Zugänge zu neuen Steuerungsformen
Vorwort
Theoretische und praktische Zugänge zu neuen Steuerungsformen
Autorentext
Dr. Matthias Drilling ist Dozent am Institut Sozialplanung und Stadtentwicklung der Fachhochschule Nordwestschweiz und Lehrbeauftragter am Geographischen Institut der Universität Basel.
Dr. Olaf Schnur ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Geographischen Institut der Humboldt-Universität zu Berlin.
Zusammenfassung
Der vorliegende Sammelband geht auf eine Tagung des Arbeitskreises Quartie- forschung der deutschen Gesellschaft für Geographie vom November 2008 in Berlin zurück. Das Thema Wohin steuern unsere Quartiere? Zur Governance in der Qu- tiersentwicklung lockte knapp 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Deutschland, der Schweiz und Belgien auf den Campus Adlershof der Humboldt-Universität. Das Credo des Arbeitskreises, Wissenschaft und Praxis miteinander in Kontakt zu bringen, spiegelte sich im Tagungsprogramm wider, das von theoriegeleiteten Referaten bis hin zu Berichten aus der täglichen Quartiersarbeit reichte und durch einen abendlichen Vor-Ort-Termin im Quartiersmanagement-Gebiet Brunnenviertel bereichert wurde, wo drei Quartiersmanagementbüros mit unterschiedlichen Gebietsabgrenzungen, Hintergründen, Motiven und Handlungslogiken arbeiten. Ähnlich transdisziplinär setzte sich auch das Publikum zusammen, das zu gleichen Teilen aus unterschi- lichen Wissenschaftsdisziplinen, der Wirtschaft und kommunalen Praxis kam. In den lebhaften Diskussionen zwischen den Referaten gab es einige Schw- punkte. So wurde immer wieder versucht, absolut- und relativräumliche Vorstell- gen miteinander zu verknüpfen (statt konfrontativ einander gegenüberzustellen) und so eine rein bauliche Sicht durch eine sozialräumliche Perspektive zu erweitern. Außerdem wurde die These diskutiert, ob man politisch-ökonomische Wettbewer- ziele der Kommunen bzw. des Staates nicht in Kauf nehmen könne, wenn diese als Side Effect auch zu sozialen Verbesserungen führten. Weiter wurde aufgegriffen, inwieweit man in der bundesdeutschen Quartiersentwicklungspolitik eine Verkn- fung von Versäulung (nach KGSt-Handlungsmodell) und Intersektoralität (nach dem Soziale-Stadt-Handlungsmodell) erreichen könne. Es wurde die Auffassung vertreten, eine Matrix-Lösung zu schaffen, die aber nicht ohne größere personelle und finanzielle Ressourcen zu verwirklichen wäre.
Inhalt
Einführung.- Governance ein neues Zauberwort auch für die Quartiersentwicklung?.- Die neue Popularität des Lokalen.- Regieren durch Community: Neoliberale Formen der Stadtplanung.- Aufwertung benachteiligter Quartiere im Kontext wettbewerbsorientierter Stadtentwicklungspolitik am Beispiel Zürich.- Quartiere auf Zeit: Multilokalität als Grenze der lokalen Governance.- Formate des Räumlichen und Raumpolitiken: Vernachlässigte Dimensionen in der Raumforschung.- Quartiere zwischen Programmen und Akteursinteressen.- Utopien und Heterotopien: Protagonisten des gesellschaftlichen Wandels in Barcelona.- Local Governance ohne Vertrauen: Die Contratti di Quartiere in Mailand.- Integrierte Quartierkonzepte: Beitrag der Stadtentwicklungsplanung zum Umgang mit dem demografischen Wandel.- Gesellschaftliche Transformationsprozesse an Zürichs Stadtrand: Interventionen in Schwamendingen.- Neue Entwicklungsagenten und neue Akteursallianzen in der Quartiersentwicklung.- Wer steuert die Quartiersentwicklung? Das Beispiel der Fleischervorstadt in Greifswald.- Gründung einer Genossenschaft im Quartier.- Zur Rolle sozialer Unternehmen bei der Quartiersentwicklung am Beispiel der Berliner Entwicklungsagentur für soziale Unternehmen und Stadtteilökonomie (BEST).- Powered by Quartiersmanagement: Füreinander Leben im Problemkiez1.- Neue Steuerungs- und Evaluationsinstrumente in der Quartiersentwicklung.- Chancen für Quartiere durch die Einbindung von Immobilieneigentümern: Business Improvement Districts und Immobilien- und Standortgemeinschaften.- Lokale und regionale Instrumente der Quartiersentwicklung in Brüssel1.