Mika Hellmann entführt uns in diesem außergewöhnlichen Erzählband in die düsteren Gänge und verborgenen Kammern der Abtei Einsiedeln - einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte der Schweiz, dessen jahrhundertealte Mauern nicht nur Frömmigkeit, sondern auch Schatten bergen, die das Tageslicht scheuen. Sieben Geschichten, sieben Geheimnisse. Im Mittelpunkt steht das titelgebende verfluchte Altarbild: Ein Maler wird tot in seiner Werkstatt aufgefunden, seine Malhand bedeckt von einer blutroten Substanz, die sich weigert zu trocknen. Das eben vollendete Antlitz des Heilands ist entstellt, ausgekratzt, ausgelöscht - und niemand weiß, wann, wie oder von wessen Hand. Bruder Anselm, Waise und Zeuge des Grauens, muss erkennen, dass in diesen Klostermauern Kräfte wirken, die weder Gebet noch Vernunft bändigen können. Hellmann beschwört mit präziser, atmosphärisch dichter Prosa eine Welt zwischen Glaube und Finsternis, zwischen sakraler Schönheit und unerklärlichem Schrecken. Die Sprache ist von bestechender Sinnlichkeit: Man riecht das Kerzenwachs und den kalten Atem des Gebirges, spürt die Kälte der Dielen durch die dünne Kutte, hört die verhallenden Schritte im nächtlichen Nordflügel. Jeder Satz ist durchdrungen von einer beunruhigenden Spannung, die sich langsam steigert, ohne je ins Grelle zu kippen. Was Hellmanns Werk von gewöhnlichen Schauergeschichten unterscheidet, ist die psychologische Tiefe seiner Figuren. Bruder Anselm trägt seine eigenen Dämonen - Albträume, ein Gesicht ohne Augen - und wird so zum Spiegel einer Gemeinschaft, in der frommer Schein und menschliche Abgründe dicht beieinanderliegen. Für alle, die atmosphärische Literatur schätzen, in der das Unerklärliche leise und unaufhaltsam in das Vertraute eindringt.
Autorentext
Mika Hellmann ist eine Autorin, die sich der Erforschung historischer Rätsel und mystischer Narrative verschrieben hat. Ihre Faszination für alte Klöster und deren verborgene Geschichten durchzieht ihr literarisches Werk. Sie verfasst atmosphärisch dichte Erzählungen, die Geschichte, Spannung und das Übernatürliche verflechten. Hellmann lebt zurückgezogen und widmet sich intensiven Recherchen zu Kunstgeschichte und mittelalterlichen Mysterien. Mit ihrem Debütwerk präsentiert sie sieben verstörende Geschichten, die die Grenzen zwischen Wirklichkeit und Übernatürlichem verschwimmen lassen.