Die Weltmeere sind die Grundlage unserer Existenz und unsere wichtigste Ressource. Und sie sind der Ursprung allen Lebens auf der Erde, eine faszinierende und viel- fach noch völlig unbekannte Welt, deren Zerstörung seit Jahren ungeahnte Ausmaße erreicht hat.
Mojib Latif, der renommierte Klima- und Meeresforscher geht in seinem Buch existenziellen Fragen nach: Welche Rolle spielen die Ozeane beim Klimawandel? Welche Konsequenzen folgen aus der Versauerung der Ozeane? Wohin führt die Verschmutzung durch Erdöl? Wie ist die Rolle des Plastikmülls einzuschätzen? Und wie die Belastung durch Radioaktivität?
Mojib Latif präsentiert ein eindringliches Plädoyer für die Erhaltung unserer Lebensgrundlage, dem man sich kaum entziehen kann.

Mojib Latif, geb. 1954, ist Professor am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und wurde im Jahre 2000 mit dem 'Max-Planck-Preis für öffentliche Wissenschaft' ausgezeichnet. Zahlreiche Veröffentlichungen zum Klimawandel.

Autorentext
Mojib Latif, geb. 1954, ist Professor am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und wurde im Jahre 2000 mit dem »Max-Planck-Preis für öffentliche Wissenschaft« ausgezeichnet. Er ist Meteorologe und Verfasser zahlreicher Veröffentlichungen zum Klimawandel. Seit Januar 2022 ist Mojib Latif Präsident der Akademie der Wissenschaften in Hamburg.

Leseprobe
Vorwort

Dieses Buch über die Ozeane ist als Weckruf gedacht. Als Mahnung an uns alle, die Meere endlich zu schützen. Denn wir behandeln die Ozeane schlecht. So schlecht, dass die Meere inzwischen ächzen. Und wir Menschen bürden ihnen immer mehr Lasten auf: Die Ozeane leiden unter dem Klimawandel, unter den Auswirkungen der globalen Erwärmung. Sie leiden zudem unter einem Gas, das wir unentwegt in die Luft blasen, wenn wir zur Energiegewinnung Kohle, Öl oder Gas verbrennen. Ich meine den Hauptverursacher der Erderwärmung, das Kohlendioxid (CO2), das die Meere versauern lässt und somit als Umweltgift wirkt.

Wir beuten die Meere ohne Gnade aus. Ein prominentes Beispiel hierfür ist die Überfischung. Mit unseren modernen Fangmethoden haben wir die globalen Fischbestände in einer Größenordnung dezimiert, womit noch vor ein paar Jahrzehnten niemand gerechnet hätte. Mindestens ein Drittel der weltweiten Fischbestände ist überfischt oder zusammengebrochen.1 2 Es könnten aber auch fünfzig Prozent sein. Die Datenlage ist schlecht, und die einschlägigen Studien widersprechen sich zum Teil. Es ist aber müßig, darüber zu streiten. Der Fakt der Überfischung bleibt. Mitte der 1970er-Jahre waren es Schätzungen zufolge "nur" etwa zehn Prozent der weltweiten Fischbestände, die überfischt waren. Heute gelten fast neunzig Prozent der Bestände zumindest als gefährdet. Nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe (DUH) waren im Jahr 2012 47 Prozent der untersuchten Fischbestände im Atlantik und achtzig Prozent der Bestände im Mittelmeer überfischt.3 Eine Folge: In den vergangenen fünfzehn Jahren ist der Fischfang in den EU-Ländern um ungefähr vierzig Prozent zurückgegangen. Außerdem verenden überflüssigerweise jedes Jahr Millionen Tonnen Jungfische und andere Meeresbewohner als Beifang. Und man dringt immer mehr in die Tiefsee vor, um auch diese zu befischen. Noch vor wenigen Jahrzehnten war es technisch kaum möglich, Netze tiefer als 500 Meter hinabzulassen. Heute fischt man schon bis in 2000 Metern Tiefe. Die Fangflotten der Industrieländer sind mittlerweile gezwungen, weite Reisen zu unternehmen, um die enorme Nachfrage in ihren Heimatländern zu bedienen. Ihre eigenen Gewässer geben nicht mehr viel Fisch her. Damit besteht die Gefahr, dass man vielen Millionen Küstenbewohnern, etwa vor den Küsten Westafrikas, die Existenzgrundlage entzieht. Aufgrund dessen würde sich der Nord-Süd-Konflikt verschärfen, der große Unterschied im Wohlstand zwischen den Industrie- und den Entwicklungsländern. Worin man eine Form des modernen Kolonialismus erkennen kann. Die Überfischung der Weltmeere ist ein ökologisches Desaster und eine ökonomische Sackgasse. Darüber sind sich die Experten einig. Wir versuchen, den Verlust der Nahrung aus dem Meer durch Aquakultur zu kompensieren, durch Farmen im Meer in küstennahen Gewässern. Dabei begehen wir die gleichen Fehler wie bei der Massentierhaltung auf Land. Die Tiere werden auf viel zu engem Raum gehalten, und Krankheiten wird mit Tonnen von Antibiotika vorgebeugt. Eine nicht nachhaltige Aquakultur verseucht die Meere, das sollten wir bedenken, wenn wir spottbillige Meeresfrüchte kaufen.

Wir benutzen die Ozeane zudem als riesige Müllkippe. Ein spektakuläres Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit: die Dreifach-Katastrophe aus Seebeben, Tsunami und Kernschmelze in Fukushima im März 2011. Seit der Reaktorkatastrophe sind Millionen Tonnen hoch verstrahlten Kühlwassers aus der japanischen Atomanlage in den Pazifischen Ozean gelangt. Niemand weiß genau, wie viel dieser Brühe bis jetzt ins Meer geflossen ist und womöglich immer noch fließt. Von den Verantwortlichen wird gelogen, dass sich die Balken biegen. Die Betreiberfirma Tepco ist inzwischen zum Sinnbild einer Wirtschaftsweise geworden, die auf nichts und niemanden Rücksicht nimmt. Schon gar nicht auf die Ozeane. Frei nach dem Motto: "Nach uns die Sintflut." Über die Langzeitfolgen der Radioaktivität wissen wir nur sehr

Titel
Die Meere, der Mensch und das Leben
Untertitel
Bilanz einer existenziellen Beziehung
EAN
9783451812354
Format
E-Book (epub)
Hersteller
Digitaler Kopierschutz
Wasserzeichen
Dateigrösse
17.39 MB
Anzahl Seiten
320
Features
Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet
Auflage
1. Auflage