Ihre Dinnerpartys waren legendär, sie haben Wahlkämpfe choreographiert, sich für soziale Reformen eingesetzt, an der Börse gehandelt und wissenschaftlich geforscht. Hinter den Kulissen hielten sie die Fäden in der Hand, aber in Erscheinung traten immer nur ihre Männer: die Frauen der mächtigen Rothschilds. Die Biographien dieser charismatischen Personen lässt die Historikerin Natalie Livingstone nun in ihrem Buch wieder aufleben. Beginnend mit Gutle Rotschild, der Mutter der Dynastie, beschreibt sie die faszinierenden Lebensgeschichten der bislang unterschätzen Seite der Familie. Entstanden ist nicht nur eine Würdigung, sondern ein völlig neuer Blick auf 200 Jahre europäischer Geschichte.

Natalie Livingstone ist in London geboren und aufgewachsen. Sie schloss 1998 mit einem erstklassigen Abschluss in Geschichte am Christ's College in Cambridge ab. Ihre Karriere als Feuilletonistin begann sie beim Daily Express. Heute schreibt sie für verschiedene Magazine, u. a. für US Vogue, Elle und The Times. Als Romanautorin hat sie sich in England bereits einen Namen gemacht. Natalie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in London.

Autorentext

Natalie Livingstone ist in London geboren und aufgewachsen. Sie schloss 1998 mit einem erstklassigen Abschluss in Geschichte am Christ's College in Cambridge ab. Ihre Karriere als Feuilletonistin begann sie beim Daily Express. Heute schreibt sie für verschiedene Magazine, u. a. für US Vogue, Elle und The Times. Als Romanautorin hat sie sich in England bereits einen Namen gemacht. Natalie lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern in London.



Leseprobe
Einführung

Rothschild. Ein Name, der Bilder von Reichtum und Macht heraufbeschwört. Ein dynastischer Faden, der große Häuser und goldene Lebensart miteinander verbindet. Eine Bank, deren Unterstützung Monarchen und Staatsmänner auf der ganzen Welt suchten. Eine Bank, deren Entscheidungen Märkte bewegen konnten und deren Berühmtheit zwei Jahrhunderte voller historischer Veränderungen überdauerte. Der schnelle und dramatische Aufstieg der Rothschilds aus der beengten Welt des Frankfurter Ghettos in die Hauptstädte Europas ist sowohl das Thema zahlreicher Bücher als auch unzähliger Verschwörungstheorien. Es gibt nur wenige Studien über das moderne Judentum, die Finanzwirtschaft des 19. Jahrhunderts oder die Gründung des Staates Israel, in denen die Rothschilds nicht vorkommen. Die Dynastie ist so tief in die europäische Geschichte verwoben, dass man die Rothschilds schon als »die erste Europäische Wirtschaftsgemeinschaft« bezeichnet hat, und die moderne jüdische Geschichte ist derart mit der des Hauses Rothschild verbunden, dass man sie die »First Family des Judentums« nennt oder sogar »die königlich-jüdische Familie«. Aber was auf den ersten Blick als eine der am besten dokumentierten, wohlbekanntesten und durch und durch mythologisierten Dynastien erscheint, ist in Wahrheit nichts dergleichen. Denn die Hälfte der Rothschilds, nämlich die Frauen, ist fast unbekannt.

Nahezu alles über die Rothschilds - all die Bücher und Artikel, die Kolumnen, Mythen, Filme und Theaterstücke - drehen sich ausschließlich um die Männer der Familie. Mayer Amschel Rothschild wird stets als der »Gründervater« beschrieben, als habe die Dynastie ihren Ursprung nur in ihm allein. Und während seine und die Söhne seiner Frau Gutle, insgesamt fünf an der Zahl, weltberühmt sind, kennen nur wenige auch nur eine einzige ihrer fünf Töchter. Selbst Bücher, die behaupten, die Familie als Ganzes zu behandeln, beschäftigen sich tatsächlich nur mit den Männern. Count Cortis The Rise and Reign of the House of Rothschild besteht aus zwei Bänden und 34.140 Zeilen Text, von denen sich jedoch 34.000 allein auf die Männer konzentrieren11. Selbst Niall Fergusons »Die Geschichte der Rothschilds«, ein neueres Werk, das auch die Archive der Frauen als Quellen heranzieht, enthält mehr als fünfmal so viele Referenzen zu den Männern der Familie wie zu den Frauen.2

Die Wurzel dieser Ausgrenzung ist klar: Die Finanzwelt des 19. Jahrhunderts, in der die Familie zu Berühmtheit gelangte, war eine männliche. Aber die Rothschilds waren nie nur eine Bankiersfamilie. Zwar gründete ihr Einfluss stets auf ihren Bankgeschäften, doch er reichte weit darüber hinaus, in Literatur, Bildung, Sport, Naturwissenschaften, Gartenbau, Musik und Politik. Und dass die Frauen der Familie genau diesen Beschäftigungen nachgegangen sind, wird einem bei einem Blick in die historischen Aufzeichnungen sofort klar: Ihre Namen erscheinen in zeitgenössischen Zeitungsartikeln, Memoiren und Abonnentenlisten, Abbildungen von ihnen finden sich in Karikaturen, auf Fotos und auf Familienporträts. Aber sie bleiben stumm, ihre Geschichten unerzählt. Werke, die sich ausschließlich mit den Frauen der Familie Rothschild beschäftigen, beschränken sich auf eine Handvoll Essays und ein paar Einzelbiografien. Die meisten davon sind von weiblichen Nachfahren der Familie geschrieben, die sich darüber wundern, warum ihre Vorfahren gleichen Geschlechts in den historischen Aufzeichnungen nicht auftauchen.

Vor ein paar Jahren bin ich auf eines dieser Werke gestoßen: Rothschild Women von Miriam Rothschild, ein Essay in einem Katalog zu einer Ausstellung im Jüdischen Museum Frankfurt3. Das Leben der Autorin, die 2005 verstorben ist, war an sich schon ein überraschender Hinweis darauf, dass die Frauen der Rothschilds bisher sträflich vernachlässigt worden sind. So fand ich he

Titel
Die Frauen der Rothschilds
Untertitel
Das unterschätzte Geschlecht der mächtigsten Dynastie der Welt
EAN
9783751718585
Format
E-Book (epub)
Altersempfehlung
ab 14 Jahre
Hersteller
Herausgeber
Digitaler Kopierschutz
Wasserzeichen
Dateigrösse
11.5 MB
Anzahl Seiten
555
Features
Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet
Auflage
1. Aufl. 2022