Im Jahr 2015 kam es zu einer Debatte um den kanonischen Rang des Alten Testaments, der ein Echo auch in der kirchlichen Öffentlichkeit und in der Tagespresse fand. Ausgangspunkt war provozierender Aufsatz von Notger Slenczka, in dem er die These vertrat, dass Schleiermacher, Harnack und Bultmann, die eine Herabstufung der kanonischen Bedeutung des Alten Testaments forderten, Recht behalten hätten freilich aus anderen als den von ihnen vorgetragenen Gründen. Die kanonische Geltung des Alten Testaments liegt darin begründet, dass die Kirche das Alte Testament als Zeugnis für Jesus Christus versteht. Ist dies eine angesichts des christlich-jüdischen Dialogs haltbare Position? Welche hermeneutischen Grundsätze leiten den Umgang der Kirchen mit dem Alten Testament? Wie ändern sie sich angesichts eines historischen Umgangs mit den Texten? Der erste Aufsatz Slenczkas und andere erläuternde und weiterführende Texte zu den historischen, hermeneutischen und systematischen Aspekten des Problems sind in diesem Band zusammengestellt. [From the Old Testament and From the New. Contributions to the Reassessment of their Relation] In 2015 a debate arose about the canonical status of the Old Testament which met with a considerable media response. The starting point was the publication of a »provocative« article by Notger Slenczka in which he argued that Schleiermacher, Harnack and Bultmann were right when they demanded the downgrading of the canonical significance of the Old Testament but for other reasons as they had put forward. This is a serious issue: the canonical status of the Old Testament is due to the fact that the church sees the Old Testament as a testimony for Jesus Christ. But is this position tenable in view of the Christian-Jewish dialogue? What hermeneutic principles guide the church's approach to the Old Testament? How does it change in view of a historical approach to the texts? The article of Slenzka and a series of clarifying and explanatory texts providing further information are included in this volume.

Autorentext
Norger Slenczka, Dr. theol., Jahrgang 1960, studierte Evangelische Theologie in Tübingen, München und Göttingen. Nach einer Professur in Mainz hat er seit 2006 den Lehrstuhl für Systematische Theologie/Dogmatik an der Humboldt-Universität zu Berlin inne.

Inhalt
INHALT Einleitung 21 Ersterscheinungsorte 26 Teil I: Fachwissenschaftliche Beitrage zur kanonischen Geltung des Alten Testaments in der Kirche 29 1. Einleitung: Eine facettenreiche Fragestellung 29 2. Hilfe fur eilige Leserinnen und Leser zum Ausloser der Debatte 40 3. Der Ausloser der Debatte Die Kirche und das Alte Testament 49 I Reformatorische Vorgaben 51 II Harnack und Schleiermacher 54 III Die Diskussionen in der alttestamentlichen Wissenschaft um die Trager des Kanonisierungsprozesses 66 IV Bultmann revisited 71 V Zusammenfassung. 75 VI Die Identitat Israels bei Paulus. 77 VII Zusammenfassung und These. 82 4. Klarstellungen, Vertiefungen und Erlauterungen das Alte Testament und die Kirchen 85 4.1 Zur Entstehung des Kanon 87 4.1.1 Parting of the ways 90 4.1.2 Ruckfragen 91 4.1.3 Kanongeschichtliches 94 4.1.4 Der alttestamentliche Kanon als Voraussetzung des fruhen Christentums 105 4.1.5 Beobachtungen in systematischer Absicht 109 4.1.6 Die Zartlichkeit fur den Kanon zwischen Pluralismuskritik und Pluralismusaffinitat 120 4.1.7 Zusammenfassung 123 4.2 Die Normativitat kanonischer Schriften 125 4.2.1 Der Begriff des Kanonischen und das systematische Problem der Kanonizitat 126 4.2.2 Normative Instanzen 128 4.2.3 Kanonizitat der Schrift 137 4.3 Der Sinn der Normativitat der Schrift als Medium des Evangeliums Erinnerung an Luther 140 4.3.1 Normativitat und Selbstexplikation (Klarheit) der Schrift 140 4.3.2 Die Selbstauslegung als Folgerung aus der Normfunktion 141 4.3.3 Die Begrundung der These 142 4.3.4 Das Klarwerden der Schrift 145 4.3.5 Folgerungen 150 4.3.6 Die recht verstandene Lehre der lutherischen Orthodoxie von der Heiligen Schrift 154 4.3.7 Zusammenfassung und Auswertung 158 4.4 Zum Wandel der Hermeneutik des Alten Testaments 160 4.4.1 Die klassische Position und ihre Infragestellung 161 4.4.2 Wandlungen 175 4.4.3 Das Bewusstseins des Bruches im Verstandnis des Alten Testaments und sein Verschwinden 191 4.4.4 Zusammenfassung 192 4.5 »Abschaffung des Alten Testaments«? Der Sinn der Bezugnahme auf das Alte Testament in der Kirche 195 4.5.1 Das Modell: Luthers Unterrichtung 195 4.5.2 Das Alte Testament als religionsgeschichtliche Voraussetzung und Quelle des christlichen Glaubens 196 4.5.3 Das Alte Testament als Ausdruck des vor- und außerchristlichen Bezogenseins auf Gott 198 4.5.4 Die Neubestimmung der vor- und außerchristlichen Gottesbegegnung 200 4.5.5 Die Vielfalt der Medien des vor- und außerchristlichen Bezogenseins auf Gott 201 4.5.6 Das Alte Testament als Platzhalter des vor- und außerchristlichen Selbst- und Gottesverstandnisses und der christliche Umgang mit dem Alten Testament als Modell und Urbild der Neubestimmung des vor- und außerchristlichen Selbst- und Gottesverstandnisses 204 4.5.7 Ruckbindung an Luthers Umgang mit dem Alten Testament 204 4.6 Zusammenfassung 208 4.6.1 Die kanonische Geltung hangt an der christologischen bzw. ekklesiologischen Deutung des Alten Testaments 208 4.6.2 Was bleibt vom Alten Testament nach dem Ende seiner christologischen und ekklesiologischen Deutung? 209 4.6.3 Subjektivierung? ein sehr schlichter Einwand 210 4.6.4 Die Funktion des Alten Testaments 211 4.6.5 Begrenzungen 212 4.7 Abschluss 216 5. Luther und das Alte Testament 217 5.1 Hochstschatzung des Alten Testaments durch Luther 218 5.2 Das Alte Testament als Zeugnis des Evangeliums 219 5.3 Das Alte Testament als Manifestation der Situation des Gesetzes 222 5.4 Die vorbehaltliche Verbindlichkeit des Mosaischen Gesetzes fur die Christen aus den Heiden 225 5.5 Die Sprengkraft der Position 228 5.6 Das Evangelium im Alten Testament bzw. in der Mosetora 230 5.7 Zusammenfassung: Gesetz und Evangelium im Alten Testament 231 5.8 Problem 231 5.9 Uberleitung 231 6. Intertextualitat und Multiperspektivitat und der Sinn des Alten Testaments 233 6.1 Hinfuhrung: Der Umgang des Paulus mit Dtn 30 in Ro 10,6 233 6.2 Der Sinn einer rezipientenorientierten Hermeneutik 236 6.2.1 Die Verharmlosung des Ansatzes einer Intertextualitatshermeneutik 236 6.2.2 Sinngenerierung in der Rezeption der Text ohne eigenen Sinn 237 6.2.3 Die leere Frage nach dem Sinn des Textes 239 6.3 Die bleibende Frage nach den Grenzen legitimer Interpretation 240 6.4 Was meinen wir, wenn wir sagen, dass ein Text einen Sinn hat? 242 6.5 Das Anliegen des reformatorischen Widerspruchs 244 6.6 Primarer Text und Mitgelesenes 245 6.6.1 Welchen Text lesen wir? 245 6.6.2 Lekture der Existenz sich selbst Verstehen im Kontext von Texten 245 6.7 Biblische Texte und die Erschließung des Selbstverstandnisses 246 6.7.1 Paulus liest sein Leben 246 6.7.2 Der reformatorische Schriftgebrauch 247 6.7.3 Bultmann revisited 248 6.8 Das Alte Testament 248 7. Altes und Neues. Bemerkungen zur Hermeneutik im Ausgang von Anfragen von Friedhelm Hartenstein 250 8. »Lob der Religion als eines bildenden Sprachgeistes.« Theologische Implikationen der Hermeneutik Schleiermachers 277 8.1 Das Zitat und sein Kontext 278 8.1.1 Grammatische und technische Auslegung 278 8.1.2 Religion als Gleichgewicht von Individualitat und Allgemeinheit 279 8.2 Sprache und Individuum 281 8.2.1 Das Sprechen als Medium 281 8.2.2 Denken und Versprachlichung 283 8.3 Sprache und Denken 284 8.3.1 Das Denken ist nur durch seine Versprachlichung 284 8.3.2 Das Neuwerden der Sprache 285 8.3.3 Propositiones inusitatae 287 Nachwort 291 Teil II: Allgemeinverstandliche Darstellungen der Position 293 1. Einleitung 293 2. Was soll die These: »Das Alte Testament hat in der Kirche keine kanonische Geltung mehr«? 295 2.1 Vorbemerkung 295 2.2 Der Kanon und die Apokryphen 297 2.3 Der traditionelle Grund der kanonischen Geltung des Alten Testaments 29…
Titel
Vom Alten Testament und vom Neuen
Untertitel
Beiträge zur Neuvermessung ihres Verhältnisses
EAN
9783374049769
Format
E-Book (pdf)
Digitaler Kopierschutz
Wasserzeichen
Dateigrösse
5.12 MB
Anzahl Seiten
506
Lesemotiv