Im Herbst 2000 rief Bundeskanzler Gerhard Schröder zu neuen Perspektiven für eine verbraucherfreundliche Landwirtschaft auf und forderte weg von den Agrar- 1 fabriken zu kommen. Als er diesen Appell im Deutschen Bundestag aussprach, wandte er sich jedoch nicht nur an die Abgeordneten, sondern auch an die V- braucher. Anlass waren europaweite Lebensmittelskandale, die trotz aller anfäng- chen Beteuerungen, dass diese Deutschland nicht erreichen würden, auch hier- lande immer größere Ausmaße annahmen. Als politische Erstreaktion wurden zwei Bundesminister entlassen, ein Verbraucherschutzministerium installiert und im Zuge weiterer struktureller Änderungen auch neue Behörden gegründet. Doch waren nicht alle Anstrengungen nur auf das Ziel eines effektiveren Verbrauch- schutzes ausgerichtet. Verbraucherpolitik ist mehr als Verbraucherschutz. Immer weniger ist die Rede von Verbraucherschutzpolitik, auch wenn das Wort Schutz noch in den Namen der zuständigen Ministerien in Deutschland und der Europäischen Union v- kommt. Doch die Auffassung ist eine andere: Der Verbraucher müsse selbst nach Meinung von Verbraucherschützern nicht mehr bemuttert oder vor der bösen 2 Wirtschaft beschützt werden. Verbraucherpolitik gehe darüber hinaus. Sie müsse einerseits auf einen funktionierenden Wettbewerb abzielen, bei dem der Verbr- cher auf Augenhöhe mit den Anbietern agieren kann. Andererseits wird jedoch auch der Verbraucher in die Pflicht genommen. Deshalb wurde ihm auch eine M- verantwortung für die Agrarfabriken zugeschrieben, deren Existenz nur als die unvermeidliche Folge der einseitigen Präferenz nach immer günstigeren Preisen war.

Wie gut ist unsere Verbraucherpolitik? Eine Untersuchung am Beispiel des Lebensmittelsektors

Vorwort
Wie gut ist unsere Verbraucherpolitik? - Eine Untersuchung am Beispiel des Lebensmittelsektors

Autorentext
Dr. Patrick Schwan ist Lehrbeauftragter am Geschwister-Scholl-Institut der Universität München und Mitarbeiter der Forschungsstelle Ökologie.

Klappentext
Ständige Lebensmittelskandale haben die deutsche Verbraucherpolitik aus ihrem Tiefschlaf gerissen und zur Formung eines neuen Leitbildes geführt. Nachhaltiger Konsum und ein gesteigertes Verantwortungsbewusstsein waren die Schlagworte der neuen Verbraucherpolitik, die sich zum Leitbild des informierten Verbrauchers verdichten. In politischen Handlungs- und Entscheidungsprozessen haben sich die auf Sicherheit, Gesundheitsverträglichkeit und Wirtschaftlichkeit gerichteten Verbraucherinteressen als vergleichsweise durchsetzungsschwach erwiesen. Sie stehen damit repräsentativ für das politische Schicksal aller Gemeinwohlinteressen, deren Durchsetzungschance paradoxerweise mit dem Grad ihrer Allgemeinheit schwindet. Vor diesem Hintergrund wird in dieser breit angelegten Studie das Leitbild des informierten Verbrauchers, das sich sowohl als Maßstab wie auch als Richtlinie der deutschen Verbraucherpolitik darstellt, am Beispiel des Lebensmittelsektors auf den Prüfstand gestellt.

Inhalt
Verbraucherinteressen im interessenpluralistischen System.- Verbraucherleitbilder.- Leitbild-Analyse.- Der Lebensmittelsektor als Fallbeispiel.- Zusammenfassung und Fazit.
Titel
Der informierte Verbraucher?
Untertitel
Das verbraucherpolitische Leitbild auf dem Prüfstand. Eine Untersuchung am Beispiel des Lebensmittelsektors
EAN
9783531916583
Format
E-Book (pdf)
Veröffentlichung
02.09.2009
Digitaler Kopierschutz
Wasserzeichen
Dateigrösse
1.25 MB
Anzahl Seiten
303
Lesemotiv