Ausgehend vom destruktiven Potenzial des Subjekts in Gegenwart und Geschichte zeichnet Peter Widmer in seiner psychoanalytischen, philosophischen und politischen Reflexion die Ambivalenz von Macht und Zerstörung des Ich nach. Sprache und Subjektivität erweisen sich dabei als Auswege und zugleich Verschärfungen hinsichtlich seiner Isolation.

An gegenwärtigen Konfliktlinien in Politik und Gesellschaft entzünden sich immer wieder psychoanalytische Fragen nach dem destruktiven Charakter des Subjekts. Peter Widmer beleuchtet die doppelte Seite dieser Destruktivität: ihr Potenzial, die Illusion eines mächtigen Ichs zu erzeugen, aus dem - wenn es bedroht wird - eine enorme zerstörerische Kraft hervorgeht. Ihr Ursprung ist weit davon entfernt, nur gesellschaftlicher, biologischer oder sexueller Art zu sein; in Sprache und Subjektivität erlebt sich der Mensch als fraglich und isoliert, ringt um die Anerkennung der Gemeinschaft. Widmers psychoanalytische, philosophische und politische Reflexion zeichnet ebenso Auswege auf: Der Spirale des Zerstörerischen zu entkommen heißt, es zu bejahen und zu artikulieren - und nicht, sich an das Ideal einer hassfreien Gesellschaft zu klammern.

Kann man den Hass hassen?

Autorentext
Peter Widmer, Dr. phil., ist als Psychoanalytiker in freier Praxis in Zürich tätig und hatte Gastprofessuren und Lehraufträge an verschiedenen Universitäten in Europa und der Welt. Stand: Juni 2021

Inhalt
Einleitung Aufbau des Buches 1 Relevanz des Themas 2 Theorien der Aggression außerhalb der Psychoanalyse Kant Hegel Lorenz Vergleich 3 Bemerkungen und Fragen zu den Triebtheorien Freuds und Lacans Das Ich bei Freud und Lacan Kritik der Ich-Psychologie Das Ich in den Partialtrieben Genitalität Zum Problem des Gesamt-Ichs Wann ist ein Trieb ein Trieb? Das Es »Vater, siehst Du denn nicht, dass ich verbrenne?« 4 Sprache, Ich und Ichtriebe Sprache und Selbsterhaltung Der Mangel an Sein als Quelle des Ich- bzw. Selbsterhaltungstriebs Geschlecht 5 Zeit und Ich Zeit und Zeitlichkeit in der Psychoanalyse Zeitlichkeit und Aggression Zwei entgegengesetzte Bedeutungen von »Ichtrieb« Holbeins Anamorphose ein Phallus-Phantom? 6 Das Ich als Instanz von strukturell bedingten Mängeln Durch Signifikanten induzierte Mängel Die Unterscheidung von Aussage (énoncé) und Sagen (énonciation) als Verklammerung der durch die Signifikanten und die Zeitlichkeit bewirkten Mängel Hilflosigkeit und Ideale Beobachtungen beim Tennisspiel 7 Voraussetzungen von destruktivem Handeln Überlegungen zur Semantik Tableau der Aggression Destruktion im Feld der Aggression Arten der Zerstörung Das Ich als Ort von Mängeln Das Ich als (erweiterter) Ort des Narzissmus Wie es kommt, dass das Ich-Gehäuse Schaden erleidet, und wie es sich dagegen wehrt Geschlechtsspezifische Aspekte Übertragungsspezifische Aspekte Rassismus und Antisemitismus 8 Wie Destruktion zustande kommt Projektion Verlogenheit la mauvaise foi Signifikant und Nichts Begehrtes Opfer-Sein Glaube und Wahn Bemerkungen zu Lacans Seminar VII. Die Ethik der Psychoanalyse Religion und Vatersehnsucht Amokläufe Massenmorde Die Waffen menschlicher Destruktion 9 Hass Destruktion Genießen Drei Interpretationen 10 Zusammenfassung Ausblick Dank Literatur Index
Titel
Destruktion des Ichs
Untertitel
Psychoanalytische Annäherungen an den Ursprung menschlicher Aggression
EAN
9783837977639
Format
E-Book (pdf)
Digitaler Kopierschutz
frei
Dateigrösse
3.6 MB
Anzahl Seiten
278
Auflage
1. Auflage 2021
Lesemotiv