Demenz ist in aller Munde: Die Medien berichten regelmäßig. In der "Demenz-Szene" gären ständig neue Versorgungskonzepte, und die Forschung liefert Woche für Woche Meldungen über den angeblich bevorstehenden Durchbruch. Nun hat sogar die Regierung eine Allianz für Menschen mit Demenz gebildet. Könnte gar nicht besser laufen, oder? Doch, sagt Peter Wißmann. In den zurückliegenden Jahren ist zwar viel Positives erreicht worden. Dass das Thema Demenz ein Selbstläufer ist, hat aber auch zu krassen Fehlentwicklungen geführt: Ziele werden nur vage definiert, Interventionen erfolgen wirr und wenig durchdacht. Mit großer Geste wird gemacht, gemacht, gemacht Hauptsache, das Gewissen ist beruhigt. Gute Ideen erschöpfen sich so leicht in schicken Phrasen und bequemen Ritualen. Auf der anderen Seite sind neue und alte Irrtümer auf dem Vormarsch: Menschen mit Demenz sollen in eine schöne neue Welt von Wohlfühl-Inseln einziehen, möglichst abgeschirmt vom Rest der Gesellschaft. Wenn sie tanzen, singen oder gärtnern möchten, dann bitte gut dokumentiert und mit therapeutischem Mehrwert. Schließlich sind sie vor allem krank und schließlich ist Demenz vor allem furchtbar. Aus vielen schlechten Ideen kann schnell ein gefährlicher neuer Mainstream entstehen. So kann es nicht weitergehen, sagt Wißmann, ein Insider mit jahrzehntelangem Erfahrungshintergrund. Mit seiner Streitschrift hält er der "Demenz-Szene" den Spiegel vor. Er benennt Fehlentwicklungen und zeigt Alternativen auf. Und: er lenkt den Blick wieder auf die Menschen, um die es bei dem Ganzen eigentlich gehen sollte.

Autorentext

Peter Wißmann ist Geschäftsführer und wissenschaftlicher Leiter der Demenz Support Stuttgart gGmbH. Mit dem Gerontologen und Kunsttherapeuten Michael Ganß gibt er die Zeitschrift demenz.DAS MAGAZIN heraus.



Inhalt
Inhalt Vorwort ..........................................................................................................7 Lug und Trug Oder: Von der Notlüge zur Scheinwelt ...............................................................11 Trennen und Separieren Oder: Von Anderwelten, Paralleluniversen und dem Anspruch auf Inklusive ..........21 Es gibt (k)ein Leben ohne Therapie Oder: Warum dürfen Menschen mit Demenz nicht einfach normal leben? ............35 Bilder, Systeme, Schulungen Oder: Nur eine eingekästelte Welt ist eine gute Welt ...........................................41 Die im Schatten stehen Oder: Wieso fragt eigentlich niemand die Betroffenen? ......................................53 Mit Sprache Mauern bauen Oder: Wer will schon in ein Alzheimer-Tanzcafé? ................................................61 Abgrenzen und vernebeln Oder: Nicht nur für erleuchtete Kreise verständlich sein .....................................68 Der nackte König Oder: Wie halten wir es mit Alzheimer? .............................................................76 Die Welt ist krank! Oder: Wie retten wir die Normalität? ................................................................87 Rituale Oder: Sind die Werkzeuge noch scharf? ............................................................98 Die Wagenburg Oder: Wie berechtigte Kritik abgewehrt und umgedeutet wird ..........................................................................................107 Die Erde ein Jammertal! Oder: Viele klagen, aber wenige kämpfen .........................................................117 Wer die Politik macht Oder: Verbindlichkeit einfordern und selbst aktiv werden ................................123 Die Alternative Was ist zu tun? ......................................................................137 Quellen ........................................................................................................142
Titel
Nebelwelten
Untertitel
Abwege und Selbstbetrug in der Demenz-Szene
EAN
9783863212520
Format
E-Book (pdf)
Hersteller
Digitaler Kopierschutz
Wasserzeichen
Dateigrösse
8.82 MB
Anzahl Seiten
150
Lesemotiv