Rachel Hore, geboren in Epsom, Surrey, hat lange Zeit in der Londoner Verlagsbranche gearbeitet, zuletzt als Lektorin. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihren drei Söhnen in Norwich. Sie arbeitet als freiberufliche Lektorin und schreibt Rezensionen für den renommierten Guardian. Mehr über die Autorin und ihre Bücher erfahren Sie unter www.rachelhore.co.uk.
Mel braucht dringend eine Auszeit. Ihr Ziel: ein Cottage in Cornwall. Mel ist sofort verzaubert. Wer wohl einst den verwilderten Garten angelegt hat? Sie möchte ihn wiederherstellen und erhält unerwartet Hilfe von Patrick, dem Eigentümer des Hauses. Gemeinsam stoßen sie unter dem Dickicht auf eine Geschichte von Liebe, Leid und verbotener Leidenschaft.
Autorentext
Rachel Hore, geboren in Epsom, Surrey, hat lange Zeit in der Londoner Verlagsbranche gearbeitet, zuletzt als Lektorin. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihren drei Söhnen in Norwich. Sie arbeitet als freiberufliche Lektorin und schreibt Rezensionen für den renommierten Guardian. Mehr über die Autorin und ihre Bücher erfahren Sie unter www.rachelhore.co.uk.
Leseprobe
1. Kapitel
Sie hatte keine Ahnung, wo sie war. Mel schaltete das knisternde Autoradio aus und schaute beunruhigt durch die regennasse Windschutzscheibe. Obwohl sie im Schneckentempo fuhr, kam ihr die Fahrt über die stockfinsteren kurvenreichen Landstraßen Cornwalls vor wie eine Fahrt auf der Achterbahn. Zu beiden Seiten fiel die Böschung steil ab, und mehr als einmal bekam sie einen Riesenschreck, weil vor ihr ganz plötzlich ein Steinwall im Scheinwerferlicht auftauchte.
Eineinhalb Meilen hinter Newlyn kurz hinter der Töpferei an der Kreuzung links abbiegen, hatte Patrick auf die Kopie der Straßenkarte geschrieben, die er ihr geschickt hatte. Aber Mel hatte in der Dunkelheit keine Töpferei gesehen und war einfach an einer Kreuzung, die sie für die richtige hielt, links abgebogen. Jetzt hatte sie plötzlich das Gefühl, im Kreis gefahren zu sein. Wieso gab es bloß nirgends ein Straßenschild?
Schade, dass diese Reise sich zu so einem Albtraum entwickelte. Mel hatte sich so lange darauf gefreut. Seit David Bell, Senior Tutor an dem Südlondoner College, an dem sie als Dozentin für Kunstgeschichte arbeitete, ihr vorgeschlagen hatte, ein Forschungssemester zu nehmen. Seine besorgten Worte klangen ihr immer noch in den Ohren: Mel, ich fürchte, Sie werden ernsthaft krank, wenn Sie sich nicht schleunigst eine Auszeit nehmen.
Es gibt eben verschiedene Möglichkeiten, die Orientierung zu verlieren, dachte sie nun und lenkte den Wagen um die nächste Kurve. Was war das denn? Sie trat heftig auf die Bremse, als aus der Dunkelheit etwas auf sie zugeschossen kam. Eine Eule. Mel nahm ein Paar leuchtende Augen und einen gebogenen Schnabel wahr, ehe der Vogel in die Nacht entschwand. Einen Augenblick war sie vor Schreck wie gelähmt, dann nahm sie den Fuß von der Bremse, und der Wagen rollte weiter.
Doch schon kurz darauf bremste Mel wieder ab. Sie stand an einer T-Kreuzung. In welche Richtung nun? Mel zog die Handbremse an, warf einen Blick auf ihre Armbanduhr - Viertel nach acht, für einen Aprilabend war es wirklich verdammt dunkel - und schaltete die Innenbeleuchtung ein.
Müde rieb sie sich den Nacken und versuchte, im schwachen Lichtschein auf der Karte etwas zu erkennen. Ihr Finger fuhr über das Gewirr der Straßenlinien, bis sie die richtige gefunden hatte. Sie ging zickzackförmig an Merryn Hall vorbei, ehe sie nach links durch das Dorf Lamorna führte und dann hinunter zur Bucht Lamorna Cove.
Mel kurbelte das Fenster herunter und beugte sich hinaus. Fröstelnd hielt sie Ausschau nach einem Schild oder irgendetwas, das ihr eine Orientierung gab. Nichts. Nur strömender Regen. Eigentlich konnte sie nicht mehr weit von Lamorna entfernt sein, aber wenn sie nicht aufpasste, würde sie die ganze Nacht im Kreis herum fahren. Mel zerrte ihren Seesack aus dem Fußraum des Beifahrersitzes und kramte nach ihrem Handy. Als sie es endlich fand, wählte sie die Nummer, die Patrick auf die Karte gekritzelt hatte. Keine Netzverbindung stand auf dem Display.
Ich wünschte, Jake wäre hier, fuhr ihr plötzlich und ungebeten eine tückische kleine Stimme durch den Kopf. Jake hatte ein Faible für Straßenkarten und Autos, Katzen und Fernsehgeräte. Leider hatte er irgendwann kein Faible mehr für Mel gehabt. Jake war weg, und sie musste selbst sehen, wie sie aus diesem Schlamassel herauskam.
Der Gedanke gab ihr neue Energie. Ihr blieb nichts anderes übrig, sie musste zurückfahren. In der Hoffnung, dass nicht ausgerechnet in diesem Moment ein Auto um die Kurve kam, wendete Mel auf der engen Straße und fuhr in die Richtung, aus der sie gekommen war. Dieses Mal hatte sie Glück. Wenige Minuten später fand sie die Abzweigung, die sie beim ersten Mal übersehen hatte.
Lamorna lag in einem Tal. Da die Straße jetzt zwischen hohen Hecken abwärtsführte, wuchs Mels Zuversicht. Der Weg wurde immer steiler und kurviger, und sie musste sich ziemlich konzentrieren, u