Eine charmante Liebesgeschichte zwischen Paris und der Bretagne Zeit für die Liebe, Sonne und die salzige Luft des Atlantiks - so hatte sich Nathalie ihre ersten Ferien mit Robert vorgestellt. Fühlen, ob das mit ihm Zukunft haben könnte. Doch dann ist schon die Gegenwart allzu rasch zu Ende: Robert muss beruflich zurück nach Paris. Ist ihm seine Arbeit wichtiger? Nathalie beginnt zu prüfen, wie groß ihre Sehnsucht nach ihm ist ...

Rainer Moritz, geboren 1958 in Heilbronn, leitet das Literaturhaus Hamburg. Er veröffentlichte Sachbücher wie 'Und das Meer singt sein Lied', 'Die Überlebensbibliothek', 'Die schönsten Buchhandlungen Europas ' und 'Dicht am Paradies. Spaziergänge durch Pariser Parks und Gärten' und schrieb sich mit den erfolgreichen Romanen 'Madame Cottard und eine Ahnung von Liebe', 'Madame Cottard und die Furcht vor dem Glück' und 'Sophie fährt in die Berge' in die Herzen seiner Leserinnen.

Eine charmante Liebesgeschichte zwischen Paris und der Bretagne
Zeit für die Liebe, Sonne und die salzige Luft des Atlantiks - so hatte sich Nathalie ihre ersten Ferien mit Robert vorgestellt. Fühlen, ob das mit ihm Zukunft haben könnte. Doch dann ist schon die Gegenwart allzu rasch zu Ende: Robert muss beruflich zurück nach Paris. Ist ihm seine Arbeit wichtiger? Nathalie beginnt zu prüfen, wie groß ihre Sehnsucht nach ihm ist ...



Autorentext

Rainer Moritz, geboren 1958 in Heilbronn, leitet das Literaturhaus Hamburg. Er veröffentlichte Sachbücher wie "Und das Meer singt sein Lied", "Die Überlebensbibliothek", "Die schönsten Buchhandlungen Europas " und "Dicht am Paradies. Spaziergänge durch Pariser Parks und Gärten" und schrieb sich mit den erfolgreichen Romanen "Madame Cottard und eine Ahnung von Liebe", "Madame Cottard und die Furcht vor dem Glück" und "Sophie fährt in die Berge" in die Herzen seiner Leserinnen.



Leseprobe
ZWEI

Ja, ja, der Platz ist noch frei. Widerwillig räumte Robert seine Tasche beiseite, die er vorsorglich neben sich platziert hatte, um zusteigende Fahrgäste abzuschrecken. Nicht einmal, dass er beim Einlaufen in Straßburg die Augen geschlossen und tiefen Schlaf simuliert hatte, erwies sich als erfolgreiche Maßnahme. Die kräftige Dame machte einen so forschen Eindruck, dass er nicht wagte, ihr etwas von einem Platznachbarn vorzulügen, der nur kurz ins Bordbistro gegangen sei. Mit einem durchdringenden Stöhnen sank sie nieder, und Robert zog unwillkürlich die Beine an, drückte sich gegen das Zugfenster, als bestünde die Gefahr, dass ihr Körper auf seinen Sitz übergriffe. Das fehlte noch, eine Raum füllende Frau, die ihm ein Gespräch aufdrängte.

Er versuchte abweisend zu wirken, griff hastig nach der Zeitung, die er vor sich in die Netzablage gequetscht hatte. Eine Deutsche, das merkte er gleich, wahrscheinlich eine Schwäbin auf dem Weg zurück nach Stuttgart. Sie stöhnte erneut, leckte sich die Lippen, stand behäbig wieder auf, um sich ihres Mantels zu entledigen. Robert bemühte sich, ihren Kampf mit der Enge zu ignorieren, um ja nicht mit ihr sprechen zu müssen. Wie wenig Platz es in diesen TGVs gab. Es war ihm unbegreiflich, warum die Leute so große Stücke auf diese Züge hielten. Ja, gewiss, auch im ICE bedurfte es der Körperbeherrschung, um nicht permanent über Beine zu stolpern oder einen Rucksack ins Kreuz zu bekommen.

Seit ein paar Jahren trugen selbst Männer solche Teile, anstatt solide Reisetaschen mit sich zu führen. Rucksäcke, die man früher auf Almhüttenwanderungen mitgenommen hätte, galten mittlerweile als adäquates Reisegepäck. Ein Schmerz durchzuckte ihn, als hätte ihn der Bandscheibenvorfall, den er seit Jahren befürchtete, endlich ereilt. Er dachte an die Griechenlandreise, die er - mehr als zwei Jahrzehnte war das her - unternommen hatte, mit Gisela, einer Kurzzeitliebe im Studium. Von Stuttgart waren sie mit dem Zug nach Athen gefahren, unglaublich, über vierzig Stunden durch ganz Jugoslawien, mit gewaltigen Tramperrucksäcken, deren Gestelle sich in den Rücken bohrten, kaum dass man sie mühsam aufgesetzt hatte. Eine Isoliermatte, ein Schlafsack, eine Wasserflasche - ausgerüstet wie für einen Dschungelurlaub waren sie beide aufgebrochen, erst nach Santorin, dann hinunter nach Kreta. Insgeheim hatte er sich damals nach einem Koffer gesehnt, einem weniger abenteuerlichen Urlaub. Doch Gisela hatte Einwände nicht gelten lassen, ihn angesteckt mit ihrem Erlebnishunger. Auf der Fähre, einem klapprigen Ding, das besser auf einen kasachischen Baggersee als aufs Mittelmeer gepasst hätte, war sie mit jedem ins Gespräch gekommen, hatte Bekanntschaften gemacht, Telefonnummern ausgetauscht. War ihm schon bei der Ankunft auf Santorin klar gewesen, dass Gisela die Falsche war? Mühsam folgte er ihr, als sie sich von fremden Männern, die ihr sofort zu nah kamen, am Hafen ansprechen ließ. »Rooms«, »cheap rooms« - aus zig Mündern schallten die Rufe über die Promenade. Einheimische hielten Pappen hoch, auf denen unscharfe Farbfotos der Herberge klebten, ein Lockmittel sollte das wohl sein. Wahrscheinlich lachten die sich schief über die Rucksacktouristen. Wenn die wenig Geld ausgaben, musste man sie wenigstens bei den Hotelzimmern bluten lassen. Gisela hatte das Heft in die Hand genommen, alles wahnsinnig aufregend und ursprünglich gefunden. Riech doch mal die Tomaten und den Schafskäse. Er tat wie befohlen und lobte alles. Warum hatte er dem Reiseziel überhaupt zugestimmt? Ein einziger Irrtum, den beide auf der Rückfahrt im Zug, vierzig Stunden zum Zweiten!, einzusehen begannen, obwohl er nicht als spießig gelten wollte. Heute konnte er sich kaum noch an Giselas Gesichtszüge erinnern, gehört hatte er nie mehr von ihr, sie hatte ihn sicher vergessen. Das Trampergestell hatte er bald danach einem Kommilitonen verkauft.

Ob er auf dem Heimweg sei ins Schwabenländle.

Titel
Madame Cottard und die Furcht vor dem Glück
Untertitel
Roman
EAN
9783492981842
Format
E-Book (epub)
Herausgeber
Digitaler Kopierschutz
Wasserzeichen
Dateigrösse
1.02 MB
Anzahl Seiten
256
Features
Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet