Volkstümliche Sagen aus dem Bayerischen Wald, gesammelt von Prof. Dr. Reinhard Haller im Jahre 1976. Rauchnächte, Rauhnacht, zwölf Nächte, Christi Geburt, Heiligen-Drei-König, Volksglauben Geisterwelt, Christtag, Heiligen Abend, Dreikönigstag, Thomasnacht, Rauhnächte, Schicksalsnächte, Wetterlosnächte; Liebesorakel, Bräutigamsvorschau, Schicksalsbefragung, Teufelsbund, Hexenbeschwörung, Drudenerkennen, Unhold, Geister, spuken, Tiere reden, schauerliches, geheimnissvolles, Reinhard Haller, bayerischer Dialekt, Morsak Verlag
Leseprobe
Rauchnacht = Rauhnacht In seinem Bayerischen Wörterbuch hat J. Andreas Schmeller auch eine nähere Bestimmung der Rauch- oder Rauhnächte versucht. Er zeichnet sie so: Die Rauchnächte, plur., die zwölf Nächte, und überhaupt die Zeit zwischen Christi Geburt und heil. Drey-König, die der Volksglaube für besonders geeignet hält, sich mit der Geisterwelt in Verbindung zu setzen; namentlich der Vorabend oder die Nacht zum Christtag, zum Neujahrs- und zum Dreykönigstag. Auch die Thomasnacht ist eine Rau'nacht. Von dem, was in diesen Nächten schauerliches und geheimnißvolles vorgeht, weiß sich die junge und alte Kinderwelt viel zu erzählen1. Mit Schmellers klassisch-bairischer Zusammenfassung, vor allem mit dem Hinweis auf die Rauhnachtserzählungen, läßt sich dieses Büchlein treffend einleiten. Noch aber hat Schmeller nicht ausgeredet: Die Erklärung der Benennung dieser Nächte aus dem um heil. Dreykönig üblichen kirchlichen Beräuchern, Besprengen und Beschreiben der Wohnungen ist natürlich genug, und die Vermuthung, daß die Form Rau-Nacht als Raun-Nacht mit dem alten Giruni, mysterium, dem Alraun etc. zusammenhänge, überflüßig2. Das Wörterbuch der Deutschen Volkskunde von 1955 der zeitliche Sprung ist notwendig, um nicht im Gewirr von unzähligen Definitionen verlorenzugehen gebraucht, wie Schmeller, zwei Bezeichnungen. Da erscheint zunächst das für den Bearbeiter jüngere Wort Rauchnächte. Er leitet es wieder vom Räuchern in Haus und Kirche ab. In den Raunächten dagegen vermutet Beitl die ältere Form. Er verweist auf die Lärm- und Maskenumzüge und die vielen Brauchgestalten in der Mittwinterzeit und glaubt, daraus auch auf die Herkunft des Wortes Rauhnacht schließen zu dürfen: Rauh, mundartlich rauch, ist die Bezeichnung des Wilden, Haarigen, mit einem Fell Bekleideten. Der Name Rauhnächte ist in der gleichen Gegend verbreitet, wo auch der Rauwuzl, Rauwuzer und ähnlich, ein rauher, haariger, wilder Dämon von unbestimmter Gestalt, als Nachtgeist und Kinderschreck bekannt ist3. Die Frage, welche der beiden Theorien die eigentliche Wahrheit am besten trifft, läßt sich kaum mehr beantworten. Nur das sei dem Wörterbuch nachgetragen: Rauch wird im Bayerischen Wald überwiegend wie Rauh gesprochen. Die Rauhnächte müßten also in diesem Sprachraum von räuchern kommen, wenngleich hier, und das macht eine letzte Entscheidung fast unmöglich, auch der Rauwukl oder Rauwuzl, als die Bezeichnung für den bösen Nikolaus, bei den Älteren noch in der Erinnerung sind. Rauhnachtsglaube und Rauhnachtsbrauch Die bislang ältesten Belege für den Bayerischen Wald entnehmen wir den Rechnungsbüchern von Dießenstein und Bärnstein4. 1629 bezichtigen sich in Schöfweg die Maria Wurstpaur und eine gewisse Ursula Weinzier der Zauberei In der hl. Weinnachtnacht. Die Wurstpaurin habe, so lesen wir, ain plasen auf ainen Horn angefanngen und sei deswegen in die Schellen geschlagen worden5. Vom Khiechelsamben oder Khlepfeln, dem bekannten Klöpfelgehen also, ist 1631 die Rede. Ein Bauer, ein Schneider und drei Dienstknechte, sämtliche aus Kirchberg bei Schönberg, ziehen an Dreikönig herum und fordern nach altem Brauch die gebackenen Khiechel: so man Inen aber bei Hannsen Paurn zue Oxenberg Ires Gefallens nit Khiechel geben, zwahr wie Hanns Paur vorbracht, Sie gahr nit erkhennt, haben Sie sich nit nur mit Worten, etwas grob, Unnd Ungebierlich Verhalten, Sonndern mit dem Spieß, daran man sonnsten die Khiechel zesteckhen pflegt, hinein durch das Fenster in die Stuben geraicht, Und das Liecht aus dem Leichter gschlagen, hierumben Sie sambentlich mit Verweiß, Und 1. Tag in der Kheichen abgestrafft worden6.
Inhalt
Rauchnacht = Rauhnacht 9 Rauhnachtsglaube und Rauhnachtsbrauch 11 Rauhnachtsagen 19 Thomasnacht 27 Kriachbaumschütteln in der Thomasnacht 29 Zeitunglegen in der Thomasnacht 30 Unterwegssein in der Thomasnacht 31 Unmäßiges Trinken in der Thomasnacht 32 Hasenpassen in der Thomasnacht 33 Holzstehlen in der Thomasnacht 33 Heilige Nacht = Christnacht = Mettennacht 35 Stallgehen nach dem Ausräuchern 39 Viehaushorchen in der Mettennacht 41 Besenreiten in der Mettennacht 43 Kriachbaumschütteln in der Christnacht 44 Backtrogziehen in der Mettennacht 44 Butterausrühren in der Mettennacht 45 Schmalzzaubern in der Heiligen Nacht 46 Geldmahlen in der Mettennacht 47 Schemelweihen in der Pumpermette 47 Schemelsitzen vor der Kirchentüre 48 Schemelsitzen während der Christmetten 48 Schwarzbüchllesen in der Mettennacht 51 Unterwegssein in der Mettennacht 56 Absetzstehen in der Mettennacht 58 7 Kreuzweggehen in der Mettennacht 59 Kreuzwegstehen in der Mettennacht 62 Kreuzwegsitzen in der Mettennacht 64 Gansessen vor der Christmetten 67 Wurstessen in der Mettennacht 67 Frevlerisches Daherreden in der Mettennacht 68 Tanzen in der Mettennacht 69 Kartenspielen in der Mettennacht 69 Eisstockschießen in der Mettennacht 71 Krapfenbacken in der Mettennacht 72 Glasmachen in der Heiligen Nacht 72 Hasenpassen in der Christnacht 73 Kammerfensterln in der Mettennacht 74 Aufbleiben in der Mettennacht 77 Neujahrsnacht 79 Stubenauskehren in der Neujahrsnacht 80 Butterausrühren in der Neujahrsnacht 81 Hasenpassen in der Neujahrsnacht 82 Dreikönigsnacht 83 Druddrucken in der Rauhnacht 84 Backtrogziehen in der Dreikönigsnacht 85 Rockenreisgehen in der Dreikönigsnacht 85 Holzziehen in der Dreikönigsnacht 86 Quellen Ergänzungen Erklärungen 88 SAGENUMRANKTE ORTE... 110 Kleines Wörterbuch 112
Leseprobe
Rauchnacht = Rauhnacht In seinem Bayerischen Wörterbuch hat J. Andreas Schmeller auch eine nähere Bestimmung der Rauch- oder Rauhnächte versucht. Er zeichnet sie so: Die Rauchnächte, plur., die zwölf Nächte, und überhaupt die Zeit zwischen Christi Geburt und heil. Drey-König, die der Volksglaube für besonders geeignet hält, sich mit der Geisterwelt in Verbindung zu setzen; namentlich der Vorabend oder die Nacht zum Christtag, zum Neujahrs- und zum Dreykönigstag. Auch die Thomasnacht ist eine Rau'nacht. Von dem, was in diesen Nächten schauerliches und geheimnißvolles vorgeht, weiß sich die junge und alte Kinderwelt viel zu erzählen1. Mit Schmellers klassisch-bairischer Zusammenfassung, vor allem mit dem Hinweis auf die Rauhnachtserzählungen, läßt sich dieses Büchlein treffend einleiten. Noch aber hat Schmeller nicht ausgeredet: Die Erklärung der Benennung dieser Nächte aus dem um heil. Dreykönig üblichen kirchlichen Beräuchern, Besprengen und Beschreiben der Wohnungen ist natürlich genug, und die Vermuthung, daß die Form Rau-Nacht als Raun-Nacht mit dem alten Giruni, mysterium, dem Alraun etc. zusammenhänge, überflüßig2. Das Wörterbuch der Deutschen Volkskunde von 1955 der zeitliche Sprung ist notwendig, um nicht im Gewirr von unzähligen Definitionen verlorenzugehen gebraucht, wie Schmeller, zwei Bezeichnungen. Da erscheint zunächst das für den Bearbeiter jüngere Wort Rauchnächte. Er leitet es wieder vom Räuchern in Haus und Kirche ab. In den Raunächten dagegen vermutet Beitl die ältere Form. Er verweist auf die Lärm- und Maskenumzüge und die vielen Brauchgestalten in der Mittwinterzeit und glaubt, daraus auch auf die Herkunft des Wortes Rauhnacht schließen zu dürfen: Rauh, mundartlich rauch, ist die Bezeichnung des Wilden, Haarigen, mit einem Fell Bekleideten. Der Name Rauhnächte ist in der gleichen Gegend verbreitet, wo auch der Rauwuzl, Rauwuzer und ähnlich, ein rauher, haariger, wilder Dämon von unbestimmter Gestalt, als Nachtgeist und Kinderschreck bekannt ist3. Die Frage, welche der beiden Theorien die eigentliche Wahrheit am besten trifft, läßt sich kaum mehr beantworten. Nur das sei dem Wörterbuch nachgetragen: Rauch wird im Bayerischen Wald überwiegend wie Rauh gesprochen. Die Rauhnächte müßten also in diesem Sprachraum von räuchern kommen, wenngleich hier, und das macht eine letzte Entscheidung fast unmöglich, auch der Rauwukl oder Rauwuzl, als die Bezeichnung für den bösen Nikolaus, bei den Älteren noch in der Erinnerung sind. Rauhnachtsglaube und Rauhnachtsbrauch Die bislang ältesten Belege für den Bayerischen Wald entnehmen wir den Rechnungsbüchern von Dießenstein und Bärnstein4. 1629 bezichtigen sich in Schöfweg die Maria Wurstpaur und eine gewisse Ursula Weinzier der Zauberei In der hl. Weinnachtnacht. Die Wurstpaurin habe, so lesen wir, ain plasen auf ainen Horn angefanngen und sei deswegen in die Schellen geschlagen worden5. Vom Khiechelsamben oder Khlepfeln, dem bekannten Klöpfelgehen also, ist 1631 die Rede. Ein Bauer, ein Schneider und drei Dienstknechte, sämtliche aus Kirchberg bei Schönberg, ziehen an Dreikönig herum und fordern nach altem Brauch die gebackenen Khiechel: so man Inen aber bei Hannsen Paurn zue Oxenberg Ires Gefallens nit Khiechel geben, zwahr wie Hanns Paur vorbracht, Sie gahr nit erkhennt, haben Sie sich nit nur mit Worten, etwas grob, Unnd Ungebierlich Verhalten, Sonndern mit dem Spieß, daran man sonnsten die Khiechel zesteckhen pflegt, hinein durch das Fenster in die Stuben geraicht, Und das Liecht aus dem Leichter gschlagen, hierumben Sie sambentlich mit Verweiß, Und 1. Tag in der Kheichen abgestrafft worden6.
Inhalt
Rauchnacht = Rauhnacht 9 Rauhnachtsglaube und Rauhnachtsbrauch 11 Rauhnachtsagen 19 Thomasnacht 27 Kriachbaumschütteln in der Thomasnacht 29 Zeitunglegen in der Thomasnacht 30 Unterwegssein in der Thomasnacht 31 Unmäßiges Trinken in der Thomasnacht 32 Hasenpassen in der Thomasnacht 33 Holzstehlen in der Thomasnacht 33 Heilige Nacht = Christnacht = Mettennacht 35 Stallgehen nach dem Ausräuchern 39 Viehaushorchen in der Mettennacht 41 Besenreiten in der Mettennacht 43 Kriachbaumschütteln in der Christnacht 44 Backtrogziehen in der Mettennacht 44 Butterausrühren in der Mettennacht 45 Schmalzzaubern in der Heiligen Nacht 46 Geldmahlen in der Mettennacht 47 Schemelweihen in der Pumpermette 47 Schemelsitzen vor der Kirchentüre 48 Schemelsitzen während der Christmetten 48 Schwarzbüchllesen in der Mettennacht 51 Unterwegssein in der Mettennacht 56 Absetzstehen in der Mettennacht 58 7 Kreuzweggehen in der Mettennacht 59 Kreuzwegstehen in der Mettennacht 62 Kreuzwegsitzen in der Mettennacht 64 Gansessen vor der Christmetten 67 Wurstessen in der Mettennacht 67 Frevlerisches Daherreden in der Mettennacht 68 Tanzen in der Mettennacht 69 Kartenspielen in der Mettennacht 69 Eisstockschießen in der Mettennacht 71 Krapfenbacken in der Mettennacht 72 Glasmachen in der Heiligen Nacht 72 Hasenpassen in der Christnacht 73 Kammerfensterln in der Mettennacht 74 Aufbleiben in der Mettennacht 77 Neujahrsnacht 79 Stubenauskehren in der Neujahrsnacht 80 Butterausrühren in der Neujahrsnacht 81 Hasenpassen in der Neujahrsnacht 82 Dreikönigsnacht 83 Druddrucken in der Rauhnacht 84 Backtrogziehen in der Dreikönigsnacht 85 Rockenreisgehen in der Dreikönigsnacht 85 Holzziehen in der Dreikönigsnacht 86 Quellen Ergänzungen Erklärungen 88 SAGENUMRANKTE ORTE... 110 Kleines Wörterbuch 112
Titel
Rauhnacht
Untertitel
Sagen aus dem Bayerischen Wald
Autor
Editor
EAN
9783865120434
ISBN
978-3-86512-043-4
Format
E-Book (epub)
Altersempfehlung
9 bis 18 Jahre
Hersteller
Herausgeber
Genre
Veröffentlichung
31.01.2011
Digitaler Kopierschutz
Wasserzeichen
Dateigrösse
7.1 MB
Anzahl Seiten
117
Größe
T5mm
Jahr
2011
Untertitel
Deutsch
Auflage
4., Aufl.
Lesemotiv
Unerwartete Verzögerung
Ups, ein Fehler ist aufgetreten. Bitte versuchen Sie es später noch einmal.