Paul Preuß hat die Geschichte des Alpinismus geprägt wie kaum ein anderer. Vor genau 100 Jahren entfachte sein Aufsatz 'Künstliche Hilfsmittel auf Hochtouren' einen Streit innerhalb der Bergsteigerelite, der noch heute nachklingt. Mit seinem Eintreten für den reinen Kletterstil ohne Haken wurde er zum 'Erfinder des Freikletterns' und untermauerte seine Thesen durch visionäre Alleingänge in den Alpen. Reinhold Messner stellt uns den 'komplettesten Bergsteiger der Alpen' vor und schildert, warum seine Ideen bis heute nichts von ihrer Sprengkraft eingebüßt haben.

Reinhold Messner, 1944 in Südtirol geboren, gelangen zahlreiche Erstbegehungen und die Besteigung aller 14 Achttausender sowie die Durchquerung Grönlands und der Antarktis zu Fuß. Mittlerweile widmet er sich vor allem seinen Messner Mountain Museen (MMM) sowie Film- und Buchprojekten. Zuletzt erschienen bei MALIK u. a. seine Autobiografie, der SPIEGEL-Bestseller 'Über Leben', und der große Bildband 'm4 Mountains - Die vierte Dimension', der in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entstand, sowie die Neuausgabe von 'Vertical - 170 Jahre Kletterkunst' (mit Simon Messner), der Band 'Mord am Unmöglichen' und die aktualisierte Fassung von 'Torre - Schrei aus Stein'. Seine besondere Aufmerksamkeit gilt heute dem Narrativ der Schlüsselgeschichten des Alpinismus.

Vorwort
Zum 100. Jahrestag des bahnbrechenden »Mauerhakenstreits«.

Autorentext

Reinhold Messner, 1944 in Südtirol geboren, gelangen zahlreiche Erstbegehungen und die Besteigung aller 14 Achttausender sowie die Durchquerung Grönlands und der Antarktis zu Fuß. Mittlerweile widmet er sich vor allem seinen Messner Mountain Museen (MMM) sowie Film- und Buchprojekten. Zuletzt erschienen bei MALIK u. a. seine Autobiografie, der SPIEGEL-Bestseller "Über Leben", und der große Bildband "m4 Mountains - Die vierte Dimension", der in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entstand, sowie die Neuausgabe von "Vertical - 170 Jahre Kletterkunst" (mit Simon Messner), der Band "Mord am Unmöglichen" und die aktualisierte Fassung von "Torre - Schrei aus Stein". Seine besondere Aufmerksamkeit gilt heute dem Narrativ der Schlüsselgeschichten des Alpinismus.



Leseprobe

Paul Preuß sein Leben

1786, am 8. August, besteigen Michel Paccard, ein Arzt, und Jacques Balmat, ein Kleinhäusler aus Chamonix, den Montblanc, den höchsten Berg der Alpen.

Fast genau 100 Jahre später, am 19. August 1886, wird in Altaussee im Salzkammergut Paul Preuß geboren. Seine Mutter, geborene Caroline Lauchheim, Elsässerin, hatte 1871 Straßburg verlassen, um bei Baron von Rosenberg als Hauslehrerin tätig zu werden.

Im Schloss Ebenzweier am Traunsee im Salzkammergut verbrachten die Rosenbergs den Sommer. Dort trafen sich Caroline Lauchheim und Eduard Preuß, der den beiden Kindern der Familie Rosenberg zweimal in der Woche Musikunterricht gab.

»Wir wissen, dass Eduard Preuß Blumen liebte, dass er Grund um das Haus ankaufte und einen Garten mit relativ seltenen Bäumen, mit einer Unzahl von Rosenstöcken anlegte. Er unternahm häufig Wanderungen.«

Edi Schaar

Die Familie Preuß stammte aus Fünfkirchen in Ungarn, und Eduard, 1847 als zweiter Sohn geboren, kam nach Wien, um Musik zu studieren. Die Sommermonate, Ende Mai bis Anfang Oktober, verbrachte Eduard Preuß wie viele andere Wiener in Aussee in der Steiermark. Er und Caroline Lauchheim trafen sich nun regelmäßig im Schloss Ebenzweier, besuchten sich gegenseitig.

Am 12. September 1882 heirateten sie. Caroline war knapp 25 Jahre alt, Eduard 36. Im Winter lebte das junge Paar in Wien, zuerst Franz-Joseph-Kai 25, dann 39, den Sommer verbrachte es in Aussee, wo 1883 die erste Tochter, Sophie, zur Welt kam. 1884 wurde in Wien Mina geboren, das zweite Mädchen. Im Mai 1886 zog die Familie Preuß in ein eigenes kleines Sommerhaus nach Altaussee, wo am 19. August, um 1.30 Uhr, Paul geboren wurde. Der Alpinismus, damals gerade 100 Jahre alt, steckte in einer ersten Umbruchphase. Die meisten der großen Alpengipfel waren »erobert«, da und dort schon schwierigere Routen gefunden.

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Noch aber ging es nicht um die elegante Linienführung einer Erstbegehung, nicht um die Kunst des Kletterns, nicht um den Stil. Die Zeit der führerlosen Alpinisten war gerade erst angebrochen und hatte, 1885, bereits ihren kühnsten Vertreter verloren: Dr. Emil Zsigmondy war 24-jährig an der Südwand der Meije in den französischen Alpen abgestürzt.

Im August 1886, gerade als Paul Preuß geboren wurde, bezwangen Winkler und Zott die Cima della Madonna in der Pala-Gruppe/Dolomiten, und ein Jahr später, 1887, wagte derselbe Georg Winkler den Soloaufstieg auf den kühnsten der Vajolettürme im Rosengarten, der heute Winklerturm heißt. 1886, im Geburtsjahr von Paul Preuß, ist John Ball, Gründer des britischen Alpine Club, 68 Jahre alt. John Tyndall, Alpinist und Wissenschaftler ist 66; Eduard Whymper, der Erstbesteiger des Matterhorns, 46; Douglas Freshfield 41; Albert Frederik Mummery, der mit seinem Ruf nach »fair means« als Vorläufer von Paul Preuß gesehen werden kann, 30.

Jünger sind die großen deutschsprachigen Persönlichkeiten des Alpinismus. Der Dolomiten-Erschließer Paul Grohmann ist 48; der unermüdliche Ludwig Purtscheller 37 wie der Alpenmaler E.T. Compton; Julius Kugy 28; Karl Blodig, der später von Preuß schwärmen sollte (»Nie hätte ich gedacht, dass ein Mensch so geschickt sein könne«), 27 und Eugen Guido Lammer 24.

Paul Preuß verbrachte die Sommermonate mit seinen Eltern und den beiden Schwestern in Altaussee, spielte mit den anderen Kindern und begleitete seinen V

Titel
Der Philosoph des Freikletterns
Untertitel
Die Geschichte von Paul Preuß
EAN
9783492956949
Format
E-Book (epub)
Herausgeber
Digitaler Kopierschutz
Wasserzeichen
Dateigrösse
43.05 MB
Anzahl Seiten
304
Features
Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet