Zwei grundlegende Fragen der johanneischen Forschung drängen sich dem Exegeten immer wieder auf: Wie ist das Verhältnis des vierten Evangeliums zu den Synoptikern, wie das zur spätantiken Gnosis zu bestimmen? Die These, die Roland Bergmeier entwickelt und zu verteidigen versucht, setzt beide Fragen- und Themenfelder zueinander in Beziehung. Von der Gnosis ist das Johannesevangelium, typologisch und inhaltlich betrachtet, noch nicht berührt. Das hat auch historische Gründe. Wohl war 1Tim 6,20 für den Bischof Irenäus von Lyon Anlass und Grundlage, die Häresien, die er beschrieb, Gnosis zu nennen und als gnostische Irrlehre zu brandmarken, aber weder die Stelle selbst noch die Pastoralbriefe insgesamt belegen schon einen gnostischen Zusammenhang oder Hintergrund. Literarisch betrachtet steht Johannes überdies, mehr als viele glauben wollten, in nachprüfbarem Kontakt mit den drei Synoptikern, die er auf ihm ganz eigene Weise weiterentwickelt zu einem vierten Evangelium. In diesem Sinn ist das Evangelium zwar kein synoptisches mehr, trägt aber auch noch keine gnostischen oder auch antignostischen Züge. Beispielhaft für das Verhältnis zu den Synoptikern stehen Untersuchungen wie die zur Rede vom Kommen zu Jesus oder zum johanneischen Zeugnisthema.Die gnostischen Studien betreffen Fragen zu Dualismus und Eschatologie, zur epochalen Bedeutung valentinianischer Heilsauffassung, aber auch zur inhaltlichen Veränderung des Johanneischen, wenn es in den Strudel gnostischer Auslegung gerät. Im großen Streit um das Verständnis des Logospsalms von Joh 1,1-18 kommt der religionsgeschichtlichen Ortsbestimmung der frühjüdischen Weisheit grundlegende Bedeutung zu. Sie weist zwar Verbindung zu spätantiken mythischen Themen auf, gehört aber nicht einem zusammenhängenden Mythos an, zu dessen tragender Figur sie allererst in ihrer gnostischen Metamorphose umgestaltet wird.



Autorentext
Dr. theol. Roland Bergmeier ist evangelischer Religionslehre und Mitglied der Studiorum Novi Testamenti Societas (SNTS).

Zusammenfassung
In this volume Roland Bergmeier gathers his studies on the Gospel of John and on Gnosis. He looks at the relationship between the temporal and textual nature of this Gospel and the Synoptics and Gnosis. Two basic questions occupy researchers on the Gospel of John: What is the relationship between the fourth Gospel and the Synoptics and what is its relationship to the Gnosis of late antiquity? The hypotheses developed and defended by Roland Bergmeier in this volume attempt to connect these two questions. He answers the question of the literary and textual nature by offering his theory that the three Synoptics, steeped as they are in Old Testament and Jewish traditions, form the fundamental matrix of the Gospel of John. The breach in the gnostic perception of the world was unknown to him.
Titel
Zwischen Synoptikern und Gnosis - ein viertes Evangelium
Untertitel
Studien zum Johannesevangelium und zur Gnosis
EAN
9783647593661
ISBN
978-3-647-59366-1
Format
E-Book (pdf)
Veröffentlichung
11.03.2015
Digitaler Kopierschutz
frei
Dateigrösse
2.69 MB
Anzahl Seiten
160
Jahr
2015
Untertitel
Deutsch