Roland Voigtel versteht Sucht als ein unbewusstes Abwehrsystem gegen das Erleben unerträglicher, auf frühe Bindungsstörungen zurückgehender Gefühle, die von den Betroffenen nur schwer in Worte gefasst werden können. Er erläutert das in unserer Gesellschaft zentrale Persönlichkeitsideal der Autonomie, das für Menschen mit Abhängigkeitsstörungen nicht zu erreichen ist. Simon Scharfs Fragen fokussieren insbesondere die emotionale Beziehung zwischen Therapeut*in und Patient*in, führen Voigtel aber auch zu vertiefenden Überlegungen zum politischen Potenzial seines Suchtkonzepts sowie zum Selbstverständnis der aktuellen Psychoanalyse und ihrer geringen gesellschaftlichen Einmischungslust. Am markanten Beispiel Sucht wird die ungemeine gesellschaftspolitische Tragweite und Anwendungsfähigkeit psychoanalytischer Konzepte über klinische Phänomene hinaus aufgezeigt. Das Gespräch eröffnet zeitdiagnostische Dimensionen, bleibt aber bei alldem praxisnah. Die dynamische und tastende Gesprächsform unterläuft den Zwang einer systematischen Darstellung und erlaubt ein lebendiges, fast spielerisches Einsteigen in komplexe psychische und sozialanalytische Zusammenhänge.



Autorentext

Roland Voigtel ist Psychoanalytiker und Supervisor in eigener Praxis in Berlin. Sein Schwerpunkt liegt in der Einzeltherapie mit suchtmittelabhängigen Patient*innen und in der Supervision für Kolleg*innen mit eigener Praxis sowie für Teams suchttherapeutischer Einrichtungen. Zuvor war er zwölf Jahre lang Wissenschaftlicher Leiter eines Modellprojekts zur Suchtprävention an Schulen und lehrte und publiziert zur Psychoanalyse der Sucht und zu Fragen der Behandlungsführung. Stand: Mai 2026

Titel
Sich vor unsäglichen Gefühlen schützen
Untertitel
Ein Gesprch ber Sucht, die Rolle der Sprache und eine politische Psychoanalyse
EAN
9783837964523
Format
E-Book (pdf)
Digitaler Kopierschutz
Wasserzeichen
Dateigrösse
1.35 MB
Anzahl Seiten
136