Rolf-Dieter Müllers Studie ist die seit langem wichtigste Neuerscheinung zur Entstehung des Zweiten Weltkrieges. Nüchtern und ohne jeden Eifer, dabei aber konsequent in seinem klassischen, man könnte auch sagen: »altmodischen« militärhistorischen Zugang revidiert er eingeschliffene, oft jahrzehntealte Interpretationen. Sie hatten neueren Quellenbefunden nicht mehr standgehalten, was den Geschichtsfälschern vom rechtsextremen Rand der Gesellschaft Raum eröffnet hatte. Damit hat es jetzt ein Ende. An »Der Feind steht im Osten« kommt niemand vorbei, der sich mit der Vorgeschichte des »Falls Barbarossa« beschäftigt. Sven-Felix Kellerhoff, Die WELT Deatilliert schildert der Autor die politische und militärische Vorgeschichte des deutschen Überfalls. Dabei geht es auch um die Überlegungen Hitlers, bereits vor dem Überfall auf Polen 1939 die Sowjetunion entweder gleich mit zu überfallen oder zunächst als »Verbündeten auf Zeit« zu gewinnen. Wilfried Mommert, dpa
Autorentext
Jahrgang 1948, Studium der Geschichte, Politikwissenschaft und Pädagogik in Braunschweig und Mainz, 1981 Promotion, 1999 Habilitation, 1979-2014 wisse. Mitarbeiter des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes in Freiburg i. Br., später des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr in Potsdam, zuletzt Leitender wissenschaftlicher Direktor, Leiter des Großprojekts »Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg« (mit 13 Bänden abgeschlossen 2008), Honorarprofessor für Militärgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin. Zahlreiche Publikationen zur Geschichte des Zweiten Weltkrieges, Mithrsg. »Die Zerstörung Dresdens 13. bis 15. Februar 1945« (2010), »Hitlers Wehrmacht 1935-1945« (2012), wiss. Beratung von Rundfunk- und Fernsehdokumentationen, u.a. »Soldaten für Hitler« und »Heimatfront«. Seine Bücher wurden in viele Sprachen übersetzt.
Klappentext
Das »Unternehmen Barbarossa«, der Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941, gilt in der Geschichtsschreibung als die letzte Phase von Hitlers Stufenplan zur Eroberung von »Lebensraum im Osten«.
Der renommierte Militärhistoriker Rolf-Dieter Müller bestreitet in seinem neuesten Buch diese Sichtweise. Auf Grundlage von bislang weithin unbeachteten Quellen kann er zeigen, dass Hitler sich seit seinem Machtantritt 1933 immer wieder mit der Möglichkeit eines baldigen Interventionskriegs gegen die UdSSR beschäftigt hat. Dafür setzten er und die Wehrmacht zunächst auf Verhandlungen mit Polen und zogen auch früh eine Allianz mit Japan in Erwägung. Noch im September 1939, nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs, war ein unmittelbarer militärischer Zusammenprall mit der Roten Armee möglich. Die Wehrmacht scheute ihn nicht.
Der Blick auf die Vorgeschichte zeigt: Es gab weder einen festgelegten Stufenplan für die Ostexpansion, noch war das »Unternehmen Barbarossa« ein Präventivkrieg, wie manche Publizisten meinen.