Mitten in der Nacht hören die Tiere des Dschungels ein grauenvolles Brüllen. Tiger Shir Khan ist sein letztes Opfer entwischt, das Findelkind Mowgli. Mithilfe von Baloo dem Bär und Panther Bagheera wird der kleine Junge in die Dschungelgemeinschaft aufgenommen, lernt die Sprache der Tiere und besteht mit seinen beiden Beschützern die wildesten Abenteuer. Doch kann er sich gegen seinen größten Feind wehren?

Einer der Dressler Klassiker aus der Schatzkiste der Kindheit. Zum Sammeln schön.

Joseph Rudyard Kipling wurde 1865 in Bombay geboren. Seine Schulzeit verbrachte er in England, kehrte mit siebzehn nach Indien zurück und arbeitete dort als Redakteur. Erste Veröffentlichungen von Gedichten und Erzählungen brachten ihm bald weithin literarische Anerkennung. Als erster englischsprachiger Autor erhielt er 1907 den Nobelpreis für Literatur. Kipling starb 1936 in London.

Autorentext
Joseph Rudyard Kipling wurde 1865 in Bombay geboren. Seine Schulzeit verbrachte er in England, kehrte mit siebzehn nach Indien zurück und arbeitete dort als Redakteur. Erste Veröffentlichungen von Gedichten und Erzählungen brachten ihm bald weithin literarische Anerkennung. Als erster englischsprachiger Autor erhielt er 1907 den Nobelpreis für Literatur. Kipling starb 1936 in London.

Leseprobe
Mowglis Brüder

Ruft Chil der Greif: Die Nacht ist reif!

Trägt Mang sie auf Fledermausflügeln.

Im Stall geborgen sind die Herden bis morgen,

doch uns vermag keiner zu zügeln.

Denn die Stunden der Nacht sind Stunden der Macht

für Reißzahn, Klaue und Pfote.

Glück auf nun zur Jagd, bis es dämmert und tagt!

Und achtet des Dschungels Gebote!

Nachtgesang im Dschungel

Am Abend war es auf den Hügeln von Seeonee noch sehr warm. Vater Wolf hatte tagsüber geschlafen. Um sieben Uhr wachte er auf, kratzte sich, gähnte und streckte die Läufe, einen nach dem anderen, um das dösige Gefühl in den Krallen loszuwerden. Mutter Wolf lag zwischen den vier zappeligen und quengelnden Jungen, die lange Schnauze mit der großen grauen Nase quer über sie. Von draußen schien der Mond in die Höhle.

»Grrr«, ächzte Vater Wolf. »Es wird wieder Zeit zum Jagen.«

Schon wollte er lostraben, da tauchte an der Schwelle zur Höhle ein kleiner Schatten mit buschigem Schweif auf, und eine Stimme näselte: »Das Glück sei dir hold, Herr der Wölfe, dir und deinen prächtigen Kindern! Mögen sie groß und stark werden, mit langen weißen Zähnen, und mögen sie stets an die Hungernden in dieser Welt denken!«

Das war Tabaqui, der Schakal, der Schüssellecker. Die Wölfe Indiens verachten ihn, weil er immer nur Unheil stiftet, für üble Nachrede sorgt und Lumpen und Lederfetzen frisst, die er von den Abfallhaufen der Dörfer holt. Die Wölfe fürchten ihn aber auch, weil Tabaqui jähzornig sein kann wie sonst keiner vom Dschungelvolk. Dann vergisst er, dass er eigentlich vor allen Geschöpfen Angst hat, rennt ziellos herum und fällt jeden an, der ihm in die Quere kommt. Wenn der kleine Tabaqui seinen Rappel bekommt, reißt sogar der Tiger vor ihm aus, denn blinde Wut gilt im Dschungel als größte Schande. Die Menschen behaupten, solche Anfälle kämen bloß von der Wasserscheu der Schakale, aber die Tiere sagen Dewanee dazu - das heißt: Tollwut - und laufen davon.

»Komm nur herein und schau dich um!«, sagte Vater Wolf steif. »Hier findest du nichts zu fressen.«

»Nichts für einen Wolf, mag sein«, widersprach Tabaqui. »Aber für ein so minderes Wesen wie mich ist bereits ein trockener Knochen ein Leckerbissen. Wer sind wir denn schon, wir Gidurlog, wir vom Volk der Schakale, dass wir große Ansprüche stellen dürften?« Er verzog sich ans Ende der Höhle, wo er einen Rehbockknochen mit etwas Fleisch daran entdeckte und schmatzend zerknackte.

»Besten Dank für das festliche Mahl!«, sagte er schließlich und leckte sich die Schnauze. »Wie schön doch eure prächtigen Kinderchen sind! Was für große Augen! Dabei sind sie noch so jung. Ach ja, freilich, ich habe nicht bedacht, dass die Kinder der Könige schon als Männer zur Welt kommen.«

Tabaqui wusste natürlich so gut wie jeder andere, dass es sich nicht gehört, Kinder in deren Gegenwart zu loben, und er genoss es, wie betreten Mutter und Vater Wolf jetzt dreinschauten. Eine Weile kostete er die Wirkung seiner Worte aus, dann sagte er hinterhältig: »Der große Shir Khan verlegt sein Jagdrevier. Er hat mir selbst gesagt, dass er sich im nächsten Mond hier in den Bergen aufhalten will.«

Shir Khan, das war der Tiger, der zwanzig Meilen weiter am Fluss Waingunga hauste.

»Dazu hat er kein Recht!«, rief Vater Wolf zornig. »Das Gesetz des Dschungels verbietet ihm, ohne entsprechende Ankündigung das Revier zu wechseln. Er vertreibt uns ja das ganze Wild auf zehn Meilen im Umkreis - ausgerechnet jetzt, wo ich für zwei jagen muss.«

»Seine Mutter hat ihn nicht umsonst Lungri, den Hinkefuß, genannt«, gab Mutter Wolf leise zu bedenken. »Er lahmt seit seiner Geburt auf einem Bein. Deshalb tötet er nur wehrloses Herdenvieh. Nun hat man ihm in den Dörfern am Waingunga den Kampf angesagt, und wenn er hierherkommt, sagt man ihm hi

Titel
Das Dschungelbuch
Illustrator
Übersetzer
EAN
9783862720934
Format
E-Book (epub)
Altersempfehlung
8 bis 10 Jahre
Hersteller
Digitaler Kopierschutz
Wasserzeichen
Dateigrösse
4.6 MB
Anzahl Seiten
208
Features
Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet