Seit einiger Zeit lebt Billie bei ihrer Pflegefamilie auf dem Land. Mit Laubharken und nächtlichem Orientierungslauf bleibt das Leben in Bokarp für Billie eine Herausforderung. Auf ihren unerschütterlichen Optimismus und ihre Neugier ist jedoch Verlass! Als sie in ihrer Klasse gegen ihren Willen zur Vertrauensschülerin gewählt wird, initiiert sie als 'Flucht nach vorn' eine Projektwoche und schafft es damit prompt in die Zeitung. Einige Dinge bereiten ihr jedoch Kopfzerbrechen. Alvar und sein Cousin Douglas hassen sich richtig. Warum nur? Sie jedenfalls fühlt sich zu Douglas hingezogen - und er zu ihr, jedenfalls manchmal ... Hellhörig schildert Sara Kadefors das Alltagsleben der Jugendlichen mit einem besonderen Fokus auf zwischenmenschliche Beziehungen.

Sara Kadefors, geboren 1965 in Göteborg, ist Journalistin und Schriftstellerin. Ihr Jugendbuch 'Sandor Slash Ida' wurde mit dem August-Preis ausgezeichnet und ist bis heute das meistverkaufte Jugendbuch Schwedens. Seither hat die Autorin mehrere Romane für Erwachsene und Jugendliche verfasst. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Stockholm.

Autorentext
Sara Kadefors, geboren 1965 in Göteborg, ist eine schwedische Schriftstellerin und Journalistin. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in Stockholm. Ihr Jugendbuch »Sandor Slash Ida« (2001) wurde mit dem August-Preis ausgezeichnet und ist bis heute das meistverkaufte Jugendbuch Schwedens. Seither hat die Autorin mehrere Romane fur Erwachsene und Jugendliche verfasst.

Leseprobe
1

Ich schaffe es einfach nicht, jeden Morgen zur selben Zeit aus dem Haus zu gehen. Das ist geradezu ein Ding der Unmöglichkeit. Ich muss erst in aller Ruhe auf dem Klo sitzen und meine Gedanken zu Ende denken. Ich muss meine Sachen in meinem eigenen Tempo zusammensuchen. Ich muss einen Song zu Ende hören. Wenn der Morgen nicht jeden Tag anders abläuft, sterbe ich.

Petra klopft behutsam an die Klotür, damit ich weiß, dass ich mich beeilen muss. Aber sie will nicht allzu streng wirken, weil ich nicht ihr eigenes Kind bin. Ich trockne meine Hände lange an dem hellgelben Handtuch ab. Als ich endlich die Tür öffne, wirkt sie den Tränen nahe. Ist denn Pünktlichkeit wirklich so wichtig? Verglichen mit all den anderen Dingen, meine ich. Verglichen damit, dass den Leuten die Häuser zerbombt werden oder dass eine Familie über ein verstorbenes Kind schweigt.

Alvar ist schon längst losgezogen. Er bricht immer zwanzig Minuten vor Unterrichtsbeginn auf, obwohl es mit dem Rad nur zehn Minuten bis zur Schule sind. Viertel vor räumt er seinen Teller in die Spülmaschine, vierzehn vor geht er ins Badezimmer, sitzt höchstens bis acht vor auf dem Klo (ich höre die Spülung) und putzt sich bis fünf vor die Zähne. Dann bleiben ihm noch ein paar Minuten, um die letzten Dinge in die Schultasche zu packen, seine Jacke anzuziehen und sich auf den Weg zu machen.

Ich stolpere aus dem Haus, ohne meine Sneakers richtig zu binden. Winke dem Fenster zu, an dem Petra steht und nervös mit ihrer Halskette spielt. Ich kichere bei dem Gedanken, dass meine richtige Mutter nicht einmal wusste, wann mein Unterricht begann. Petra zuliebe werfe ich mich schnell aufs Fahrrad und trete kräftig in die Pedale. Sobald ich abgebogen bin, fahre ich langsamer. Ich versuche, mich an den Songtext zu erinnern, den ich gestern gehört habe. Außerdem muss ich noch über eine Frage nachdenken, die ich mir kürzlich gestellt habe: Was machen die Einwohner Bokarps an Sonntagen, wenn die Straßen vollkommen ausgestorben sind?

Als ich mich dem Gemeindehaus nähere, sehe ich jemanden, der in Schlangenlinien vor mir herradelt. Er scheint es auch nicht so eilig zu haben. Ich fahre etwas zügiger und hole ihn ein. Er wirft mir einen trägen Blick zu, sagt aber immerhin nicht »fuck you«. Dann konzentriert er sich wieder auf seine Schlangenlinien. Jedes Mal, wenn er auf mich zuradelt, muss ich aufpassen.

»Hast du verschlafen?«, frage ich Douglas.

»Hab' ich?«

»Der Unterricht hat doch schon angefangen?«

»Na und?«

Wir radeln nebeneinander weiter, als wären wir zusammen unterwegs. Ich will gewisse Dinge herausfinden und gebe nicht so schnell auf.

»Dein Vater ist also Petras Bruder?«

»Ihr Stockholmer seid aber clever!«

»Dann sind wir also beinahe verwandt.« Ich lächle einschmeichelnd. »Du bist mein Bonuscousin.«

Er schaut mich an. Seine Stachelfrisur hat sich in gewöhnliche Stirnfransen verwandelt. »Warum will dich deine Mutter nicht haben?«

»So ist das nicht.« Ich unterdrücke meinen Wunsch, ihn zu schlagen.

»Wieso wohnst du dann nicht bei ihr?«

»Weil sie krank ist.«

»Wie krank kann man schon sein?«

Die Wut kocht in mir hoch. »So krank, dass man MS hat und fast blind ist!« Ich fahre näher an ihn ran, mein Rad berührt seines, und er gerät ins Schwanken. »Und deine Mutter? Mag sie dich überhaupt? Wer will schon ein Kind haben, das gemeine Sachen sagt und sich wie ein Idiot benimmt? Wenn ich deine Mutter wäre, hätte ich dich schon längst über!«

Erstaunlicherweise kommt keine freche Antwort zurück. Ich hab das Gefühl, dass er blasser geworden ist.

»Entschuldige«, sage ich.

Er beugt sich über den Lenker und startet durch. Auch ich gebe Gas. Erreiche die Schule nur wenige Sekunden nach ihm. Renne über den Schulhof und durch Korridore. Vor dem Klassenzimmer hole ich ihn ein. Wir gehen zusammen rein, gleichermaßen verspä



Inhalt
Kapitel 1-23 Impressum
Titel
Billie - Wer sonst?
Schöpfer
Übersetzer
EAN
9783825161613
Format
E-Book (epub)
Altersempfehlung
ab 12 Jahre
Hersteller
Herausgeber
Veröffentlichung
15.02.2018
Digitaler Kopierschutz
Wasserzeichen
Dateigrösse
0.32 MB
Anzahl Seiten
176
Features
Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet
Auflage
Novität
Lesemotiv