Neunmal Vic Warshawski in Hochform! Neun Kriminalgeschichten aus Chicago: eine Stadtbesichtigung der eher mörderischen Art an der Seite von Vic Warshawski, die mit den Haien schwimmt, nichts mehr liebt als die Gerechtigkeit und die sich gnadenlos der Wahrheit opfert. 'Zuallererst und vor allem bin ich eine Geschichtenerzählerin. Bücher, die ihren Gegenstand erst erklären müssen, sind langweilig und reizlos.' Sara Paretsky

Sara Paretsky, 1947 in Kansas geboren, gehört zu den Mitbegründerinnen der amerikanischen 'Sisters of Crime' und ist eine der renommiertesten Kriminalschriftstellerinnen weltweit. Sie wählte die Stadt zu ihrem Wohnort, die bis heute eine Hauptrolle in ihren Romanen spielt: Chicago. Dort lebt auch ihre berühmte Heldin Vic Warshawski.

Neunmal Vic Warshawski in Hochform!

Neun Kriminalgeschichten aus Chicago: eine Stadtbesichtigung der eher mörderischen Art an der Seite von Vic Warshawski, die mit den Haien schwimmt, nichts mehr liebt als die Gerechtigkeit und die sich gnadenlos der Wahrheit opfert.

»Zuallererst und vor allem bin ich eine Geschichtenerzählerin. Bücher, die ihren Gegenstand erst erklären müssen, sind langweilig und reizlos.« Sara Paretsky



Autorentext

Sara Paretsky, 1947 in Kansas geboren, gehört zu den Mitbegründerinnen der amerikanischen "Sisters of Crime" und ist eine der renommiertesten Kriminalschriftstellerinnen weltweit. Sie wählte die Stadt zu ihrem Wohnort, die bis heute eine Hauptrolle in ihren Romanen spielt: Chicago. Dort lebt auch ihre berühmte Heldin Vic Warshawski.



Leseprobe
Noten
I

Gabriella Sestieri aus Pitigliano.

Bitte setzen Sie sich mit dem Büro von Malcolm Ranier in Verbindung, wenn Sie etwas über ihren gegenwärtigen Aufenthaltsort wissen.

Ich las beim Frühstück den Herald-Star, als mir die Anzeige ins Auge sprang. Ganz vorsichtig stellte ich meinen Kaffee auf den Tisch, langsam wie in einem Traum. Ich machte die Zeitung zu, ebenfalls ganz langsam, dann schlug ich sie wieder auf. Die Anzeige war immer noch da. Ich buchstabierte die Überschrift für den Fall, daß ich unbewußt einen anderen Namen gelesen hatte, aber der Text blieb derselbe. Mehr als eine Gabriella Sestieri aus Pitigliano konnte es nicht geben - meine Mutter, die im Alter von sechsundvierzig Jahren 1968 an Krebs gestorben war.

»Wer könnte sie nach all den Jahren noch suchen?« dachte ich laut.

Peppy, die Golden-Retriever-Hündin, die ich mir mit meinem unteren Nachbarn teilte, hob mitfühlend eine Augenbraue. Wir waren an jenem trüben Novembermorgen gerade vom Joggen zurückgekommen, und Peppy wartete auf ihr Fressen.

»Ihr Vater kann's nicht sein.« Er hatte nach sechs Monaten in einem deutschen Konzentrationslager den Verstand verloren und weigerte sich zu glauben, daß Gabriella tatsächlich gestorben war, als mein Vater ihm dies schriftlich mitteilte. Ich hatte den Brief übersetzen müssen, in dem es hieß, er selbst sei zu alt zum Wegfahren, wünsche aber Gabriella alles Gute für ihre Konzertreise. Wenn er noch lebte, war er mittlerweile fast schon hundert.

Vielleicht suchte Gabriellas Bruder Italo nach ihr; er war in den Kriegswirren verschwunden, aber Gabriella hatte immer gehofft, daß er überlebt hatte. Oder ihre erste Gesangslehrerin Francesca Salvini, die Gabriella so gern wiedergesehen hätte, um ihr zu erklären, warum sie nie das geworden war, was diese sich von ihr erhofft hatte. Als Gabriella mit allen möglichen Kanülen an ihrem ausgezehrten Körper im Jackson Park Hospital lag, hatte sie nur noch eine letzte Botschaft für mich und Francesca Salvini. Heute morgen wurde mir zum erstenmal klar, wie sehr das meinen Vater verletzt haben mußte. Er liebte meine Mutter abgöttisch, doch sie hatte ihn nur gern wie einen alten Freund.

Jetzt merkte ich, daß meine Hände schweißnaß waren und daß die Zeitung feucht an meinen Handflächen klebte. Mit einem verlegenen Lächeln legte ich das Blatt weg und wusch mir die Druckerschwärze an der Küchenspüle von den Fingern. Wie lächerlich, Mutmaßungen anzustellen, wenn ich bloß Malcolm Ranier anzurufen brauchte. Ich ging ins Wohnzimmer und suchte unter den Papieren auf dem Klavier nach dem Telefonbuch. Offenbar war Ranier Anwalt und hatte seine Kanzlei in der La Salle Street, am nördlichen Ende, wo sich die teueren neuen Gebäude befanden.

Anscheinend hatte er keine Partner. Die Frau, die sich am Telefon meldete, erklärte mir, sie sei die Assistentin von Mr. Ranier und mit all seinen Akten vertraut. Mr. Ranier könne im Augenblick nicht selbst mit mir reden, weil er in einer Besprechung sei. Oder vor Gericht. Oder auf dem Klo.

»Ich rufe wegen der Anzeige in der heutigen Zeitung an. Sie wollen wissen, wo Gabriella Sestieri sich im Moment aufhält.«

»Würden Sie mir bitte sagen, wie Sie heißen und in welchem Verhältnis Sie zu Mrs. Sestieri stehen?«

»Das sage ich Ihnen gern, wenn Sie mir sagen, wieso Sie sie suchen.«

»Es tut mir leid, aber ich darf telefonisch keine Auskunft geben. Wenn Sie mir mitteilen, wie Sie heißen und was Sie über Mrs. Sestieri wissen, melden wir uns jedoch wieder bei Ihnen, nachdem wir die Angelegenheit mit unserem Mandanten besprochen haben.«

Dieses Gespräch hätte gut und gerne den ganzen Tag so weitergehen können. »Möglicherweise ist die Person, nach der Sie suchen, nicht mit der identisch, die ich kenne, und ich möchte den Privatbereich ihrer Familie nicht verletzen. Ich habe heute morgen einen Termin in der La Salle Street; ich

Titel
Windy City Blues
Untertitel
Vic Warshawski Kriminalgeschichten
Übersetzer
EAN
9783492983846
Format
E-Book (epub)
Hersteller
Herausgeber
Digitaler Kopierschutz
Wasserzeichen
Dateigrösse
4.1 MB
Anzahl Seiten
287
Features
Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet