Castellio's plea for religious tolerance and his refusal of prosecution of dissenters are as relevant today as they had been in 1554 when Michel Servet's burning at the stake occasioned Castellio's protest. The articles analyze Castellio's anonymous treaty De haereticis an sint persequendi (in Roland H. Bainton's translation: Concerning heretics) in the original context and the world of religious dissent around Basel. Castellio instigated debates about tolerance which proved to be crucial for the self-fashioning of protestantism and the claim for a reformatio continua. Castellio's lesser known writings also argue for religious ideas and basic moral norms about which agreement can reached beyond confessional controversies. His vision of various religious communities which peacefully interact under the roof of a neutral government still inspires interreligious discourse today. When Spinoza is praised for the idea of a society where liberty of conscience is granted as a prerequisite for prosperity and peace, Castellio and his allies provided him the tools for such a modern vision of how a neutral state may enhance individual enterprise and pursuit of happiness.



Autorentext

Barbara Mahlmann-Bauer ist Professorin em. für "Neuere deutsche Literatur" an der Universität Bern.



Klappentext

Castellios Forderung nach religiöser Toleranz und sein Protest gegen Verfolgung und Tötung Andersgläubiger sind heute so aktuell wie 1554, als die Hinrichtung Michel Servets vor den Toren Genfs ihm den Anlass dazu gab. Im Zentrum des Sammelbandes steht Castellios anonymer Traktat Über Ketzer und ob man sie verfolgen soll im originalen Kontext. Er stieß Debatten über religiöse Toleranz an, die grundsätzlich für das Selbstverständnis der Protestanten und einer reformatio continua geblieben sind. Aktuelle Kontroversen über Religionsfreiheit und Grenzen der Toleranz handeln mit Argumenten, die Castellio populär gemacht hat. Die Handels- und Universitätsstadt Basel bot ihm beste Bedingungen für die Verbreitung non-konformistischer Ideen. Die Integration von Glaubensflüchtlingen, die das Recht auf Diskussionsfreiheit beanspruchten, war für den Basler Magistrat eine ähnliche Herausforderung wie die Eingliederung von Migranten und Asylanten in Deutschland und der Schweiz heute.

Castellios Appell zum Gewaltverzicht ist hochmodern. Er impliziert die Anerkennung moralischer Grundregeln, wie sie später in Naturrechtslehren und der Deklaration der Menschenrechte formuliert worden sind. Er zieht die Grenze religiöser Toleranz dort, wo religiöse Fundamentalisten ihre Vorstellungen mit Gewalt durchsetzen.

Auch Castellios übrige Schriften argumentieren für religiöse Toleranz, Willensfreiheit und Gerechtigkeit. Als Philologe bewunderte er Erasmus von Rotterdam. Wie dieser legte er eine neue Übersetzung der Bibel in klassischem Latein vor. Franzosen würdigen ihn wegen seiner französischen Bibelübersetzung als ihren Luther. Von diesem unterschied er sich allerdings durch seine Bibelauslegung, für die er allein die gesunde Vernunft als Sonde empfiehlt. Castellio hatte Verbindungen nach England, Frankreich und den Niederlanden, wo er zusammen mit Täufern wahrgenommen wurde.

Titel
Sebastian Castellio (1515-1563) - Dissidenz und Toleranz
Untertitel
Beiträge zu einer internationalen Tagung auf dem Monte Verità in Ascona 2015
EAN
9783647570891
Format
E-Book (pdf)
Veröffentlichung
16.07.2018
Digitaler Kopierschutz
frei
Dateigrösse
5.54 MB
Anzahl Seiten
613