Stephanie Garber ist New-York-Times-Bestsellerautorin. Sie wuchs in Kalifornien auf, wo sie oft mit Anne Shirley, Jo March und anderen Romanfiguren mit ungezügelter Vorstellungskraft verglichen wurde. Neben ihrer Arbeit als Autorin ist sie Lehrkraft für Kreatives Schreiben und träumt von ihren nächsten großen Abenteuern. Sie wartet sehnsüchtig auf den Tag, an dem Legend ihr eine Eintrittskarte für Caraval schickt.
Vorwort
Tritt ein in das gefährlichste Spiel der Welt!
Autorentext
Stephanie Garber ist New-York-Times-Bestsellerautorin. Sie wuchs in Kalifornien auf, wo sie oft mit Anne Shirley, Jo March und anderen Romanfiguren mit ungezügelter Vorstellungskraft verglichen wurde. Neben ihrer Arbeit als Autorin ist sie Lehrkraft für Kreatives Schreiben und träumt von ihren nächsten großen Abenteuern. Sie wartet sehnsüchtig auf den Tag, an dem Legend ihr eine Eintrittskarte für Caraval schickt.
Leseprobe
Scarletts Gefühle strahlten sogar noch bunter als sonst. Das drängende Rot glühender Kohlen. Das eifrige Grün frisch keimenden Grases. Das ungestüme Gelb der Federn eines flatternden Vogels.
Er hatte endlich zurückgeschrieben.
Sie las den Brief ein weiteres Mal. Dann noch einmal. Und noch einmal. Ihre Augen folgten jedem der scharfen Tintenstriche, jeder wächsernen Windung des Silberwappens von Caraval: eine Sonne mit einem Stern darin, in dem wiederum eine Träne zu sehen war. Dasselbe Siegel war als Wasserzeichen auf den beiliegenden Papierstücken abgebildet.
Dies hier war kein Scherz.
»Donatella!« Scarlett eilte auf der Suche nach ihrer jüngeren Schwester die Stufen zum Fasslager hinab. Die vertrauten Gerüche nach Melasse und Eichenholz stiegen ihr in die Nase, doch ihre verflixte Schwester war nirgends zu sehen.
»Tella - wo bist du?« Öllampen tauchten die Rumflaschen und mehrere frisch gefüllte Holzfässer in bernsteinfarbenes Licht. Als sie sich zwischen den Fässern hindurchschlängelte, hörte Scarlett ein Stöhnen, gefolgt von schwerem Atmen. Vielleicht hatte Tella nach dem jüngsten Streit mit ihrem Vater ein bisschen zu viel getrunken und schlief irgendwo auf dem Boden. »Dona...«
Der Rest des Wortes blieb ihr im Hals stecken.
»Hallo, Scar.«
Tella schenkte Scarlett ein träges Lächeln, weiße Zähne blitzten zwischen geschwollenen Lippen hervor. Ihre honigblonden Locken waren zerzaust und ihr Schultertuch war zu Boden gefallen. Was Scarlett jedoch die Sprache verschlug, war der Anblick des jungen Seemanns, der die Arme um Tellas Taille geschlungen hatte. »Habe ich euch etwa unterbrochen?«
»Wir können jederzeit weitermachen.« Der Seemann sprach mit dem singenden Tonfall des Südreiches, es klang viel weicher als der scharfe Zungenschlag des Meridianreiches, an den Scarlett gewöhnt war.
Tella kicherte, hatte aber wenigstens den Anstand, ganz leicht zu erröten. »Scar, du kennst doch Julian, oder?«
»Schön, dich zu sehen, Scarlett.« Julian lächelte, kühl und verführerisch wie ein schattiger Ort an einem heißen Tag.
Scarlett wusste, dass sie höflicherweise irgendetwas wie »Freut mich auch« sagen sollte, aber sie konnte nur an seine Hände denken, die weiterhin Tellas immergrünblaue Röcke umfassten und mit den Stofffalten ihrer Turnüre spielten, als wäre Tella ein Geschenk, das er nur allzu gerne auspacken wollte.
Julian war erst seit etwa einem Monat auf Trisda. Als er von seinem Schiff geschlendert war, groß und gut aussehend mit seiner goldbraunen Haut, hatte er die Aufmerksamkeit aller Frauen erregt. Sogar Scarlett hatte sich kurz nach ihm umgedreht, aber sie war nicht so dumm gewesen, länger hinzusehen.
»Tella, es macht dir doch nichts aus, mal kurz mitzukommen?« Es gelang ihr, Julian höflich zuzunicken, aber sobald sie und ihre Schwester genug Fässer zwischen sich und ihn gebracht hatten und außer Hörweite waren, zischte sie: »Was machst du denn da?«
»Scar, du heiratest bald. Da sollte man wohl annehmen, dass du weißt, was Männer und Frauen miteinander machen.« Spielerisch knuffte Tella ihre Schwester gegen die Schulter.
»Das meine ich nicht. Du weißt, was passiert, wenn Vater dich erwischt.«
»Und deshalb habe ich auch nicht vor, mich erwischen zu lassen.«
»Bitte mach keine Witze.«
»Mache ich nicht. Wenn Vater uns erwischt, finde ich schon eine Möglichkeit, dir die Schuld in die Schuhe zu schieben.« Tella lächelte hart. »Aber du wolltest doch bestimmt über etwas anderes reden.« Ihr Blick senkte sich auf den Brief in Scarletts Händen.
Der trübe Schein der Laternen fing sich in den metallisch verzierten Rändern des Papiers und ließ sie golden schimmern, in der Farbe der Magie und der Wünsche und Verheißungen. Die Adresse auf dem Umschlag leuchtete im gleichen Glanz auf.
Miss Scarlett Dragna
Wohnhaft im Beichtstuhl der Priester
Trisd