Autorentext
Susanne von Loessl ist eine deutsche Schauspielerin, Moderatorin und Hörbuchsprecherin. Sie ist im Fernsehen und auf Theaterbühnen in zahlreiche Rollen geschlüpft und so fällt es ihr auch gar nicht schwer, Charaktere zu erfinden, die so lebensnah und authentisch sind, dass man beim Lesen das Gefühl bekommt, man würde sie persönlich kennen. Seit den 90er Jahren schreibt die Autorin neben journalistischen Artikeln, Drehbüchern und Bühnenstücken heitere Romane für Erwachsene. Susanne von Loessl ist Mutter von fünf Kindern und lebt nach langen Jahren in München wieder in ihrer Geburtsstadt Hamburg. Bei hey! publishing erschienen bereits Susanne von Loessls Romane Mami hat 'nen Freund was machen wir mit Papi? und Mal Cashmere, mal Persil. Weitere Projekte sind in Vorbereitung.
Leseprobe
Dicke Post vom lieben Gott
Manches im Leben gestaltet sich so absolut verrückt, dass man Hemmungen hat, es überhaupt zu erzählen.
Wie sagen die Schauspieler? Das kann man nicht inszenieren, das glaubt kein Mensch.
Die Geschichte von Fabian Bergmann und Paulina Steiner ist so eine Geschichte.
"Beachten Sie unsere Champagner- und Pralinen-Sonderangebote zum Muttertag", leierte eine lustlose Stimme über die Lautsprecheranlage der Lebensmittelabteilung im Untergeschoss des Kaufhauses. In der dritten Etage bot man, aus dem gleichen Anlass, besonders günstig Waschmaschinen und Wäschetrockner an. Vielleicht das Ganze noch geschenkmäßig verpackt.
Wenn ich Mutter wäre, wäre ich stocksauer, wenn man mir zum Muttertag etwas Praktisches oder Nützliches schenken würde. Und Pralinen schon gleich gar nicht. Eine Sekunde im Mund, dann für den Rest deines Lebens auf den Hüften. Nee, damit sollte ihr niemand kommen.
Wird auch keiner, du bist Single und kurz vor dem Verfallsdatum, dachte Paulina und stolperte auf der letzten Stufe der Rolltreppe in eine frisch geföhnte, lilagespülte, dralle Dame.
"Sie! Sie ... Können Sie nicht aufpassen, Sie?", fauchte die Dame.
Ihre seitlich baumelden Löckchen vibrierten, so wie die gesamte Dame. Geballte Wut in Cashmere.
"Verzeihung", entschuldigte sich Paulina. "Ich war so in Gedanken."
"Träumen können Sie in Ihrem Bett", setzte die Dame nach und schnaufte verächtlich.
Jetzt reicht's, dachte Paulina. Soviel Tamtam um einen kleinen unbeabsichtigten Schubser.
"Steigen Sie mir doch auf den Hut, Sie ... Sie lila Pause!"
Eilig verschwand Paulina in der Menge. Wer weiß, vielleicht hätte die Dame mit ihrem Schirm ausgeholt ... Muttertagskeilerei in der Kurzwarenabteilung. Nichts wie weg.
Der Lift stand mit geöffneten Türen hinter dem Knopfregal und beförderte Paulina direkt zum Parkdeck. Nur weg, bevor der lila Drache ihr noch Feuer in den Nacken spie.
"Denken Sie daran, Sonntag ist Muttertag", empfing Paulina der Lautsprecher im Aufzug und hallte ihr noch bis zur zweiten Kurve der Abfahrt hinterher.
Es reicht mir mit eurem günstigen Muttertag. Wo sind eigentlich meine Tüten mit den Lebensmitteln? Hilfe! Die fuhren Lift. Rauf und wieder runter und wieder rauf ...
Paulina musste um den Häuserblock herumfahren, um wieder zur Parkdeckeinfahrt zu kommen. So ein Mist aber auch. Oben angekommen parkte sie schräg vor den abgestellten Wagen. War ja im Moment keiner da, der wegfahren wollte.
Also los!
Wie der Zufall es so wollte, kam der Aufzug just in diesem Moment auf dem Parkdeck an und schwappte die frischgeföhnte, lilagespülte Dame heraus. Oh Gott!
Paulina tauchte seitlich an ihr vorbei und ergriff ihre Tüten. Da schlossen sich die Türen des Liftes und sie wurde schnurstracks ins Erdgeschoss befördert. Eine Busladung Menschen strömte hinein und drückte Paulina mitsamt Tüten an die hintere Wand.
Langsam hoppelte sich der Aufzug von Etage zu Etage wieder aufwärts, begleitet von Muttertagssonderangeboten, die ununterbrochen aus dem Lautsprecher schallten.
Oben angekommen wurde Paulina bereits erwartet. Da stand Madame Walküre und pöbelte über rücksichtslose Autofahrer.
"... die immer und überall und immer meinen, nur sie könnten ... Aber sie könnten eben nicht! Von wegen und überhaupt und alles ... eine Frechheit!", empörte sie sich und knallte mit Nachdruck die Krücke ihres Schirmes auf den Kühler von Paulinas frisch poliertem Golf.
Paulina stellte in Windeseile ihre Tüten in den Kofferraum und gab Gas.
Mit quietschenden Reifen fuhr sie die Abwärtsschrägen hinunter. Nichts wie weg.
Unten an der Ausfahrt kam von rechts ein Radfahrer hinter einem abgestellten Baucontainer hervorgeschossen.
Der Radfahrer versuchte auszuweichen und Paulina trat die Bremsen fast durch.
Dennoch erwi