Als Schreiber im Rathaus von Kuellen führt Rodraeg Delbane ein beschauliches Leben. Bis ihn eines Tages die schöne Schmetterlingsfrau Naenn als Anführer einer geheimnisvollen Truppe wirbt. Die Gefährten des 'Kreises' wollen die phantastische Welt, in der sie leben, vor Zerstörung und Missbrauch bewahren. Doch schon beim ersten Einsatz scheitert Rodraeg. Nur knapp entrinnt er dem Untergang in der Hölle der Schwarzwachsminen und steht schließlich seinem Erzfeind in einem letzten Duell gegenüber ...

Tobias O. Meißner, geboren 1967, lebt als freier Schriftsteller in Berlin. Seine Romane werden von der Kritik hochgelobt. Meißner wurde von der Zeitschrift 'Bücher' als einer der '10 wichtigsten Autoren von morgen' ausgezeichnet. Bei Piper sind u.a. die apokalyptischen Epen um 'Die Dämonen' sowie die High-Fantasy-Trilogie um die 'Sieben Heere' erschienen.

Autorentext

Tobias O. Meißner, geboren 1967, lebt als freier Schriftsteller in Berlin. Seine Romane werden von der Kritik hochgelobt. Meißner wurde von der Zeitschrift "Bücher" als einer der "10 wichtigsten Autoren von morgen" ausgezeichnet. Bei Piper sind u.a. die apokalyptischen Epen um "Die Dämonen" sowie die High-Fantasy-Trilogie um die "Sieben Heere" erschienen.



Leseprobe
Prolog

Die Flaggen vor dem Zelteingang, gold und blau mit einer strahlenden Krone darauf, hingen schlaff im kalten Morgendunst. Der junge Hauptmann zögerte kurz, dann schlug er die Plane zur Seite.

»General? General!«

Der General rappelte sich mühsam auf die Ellenbogen. Seit gestern war er merklich gealtert, unrasiert, schwindlig vor Fieber. Die Felle, mit denen er sich zugedeckt hatte, waren fleckig von seinem nächtlichen Schweiß. Der junge Hauptmann, der jetzt vor seinem Lager stand, war der letzte Offizier dieses Ranges, der noch am Leben war. Alle anderen waren bereits umgekommen auf diesem von den Göttern verfluchten Feldzug, im Steinschlag begraben oder gefallen bei den Angriffen hinter dem düsteren Karstfeld.

»Was gibt es, Hauptmann?«

»Die Magier sagen, sie sind jetzt beinahe bereit.«

»Alle? Auch dieser Eigenbrötler mit den Bienen?«

»Alle, General. Man wartet auf Euer Kommando.«

»Ist es hell draußen oder dunkel?«

»Leider schon hell. Aber keine Anzeichen von Spähern.«

»Die gab es bisher nie, mein Junge. Anzeichen. Gut, ich komme.« Besorgt betrachtete der junge Hauptmann, wie sein General sich hochzog und wackelig im niedrigen Zelt stand. Die Bediensteten des Offizierstabes waren ebenfalls nicht mehr am Leben, deshalb mußte der alte, kranke Mann sich selber waschen und ankleiden. Der Stabsmedicus hätte hier sein sollen und sich kümmern, aber er war vom gleichen unerklärlichen Fieber befallen und starb zwei Zelte weiter vor sich hin. Magie, munkelten die Soldaten, die allem mißtrauten, was nicht mit Händen zu greifen war. Magie also auch auf seiten des Feindes.

Vom Feind hatten sie bislang tatsächlich kaum etwas zu sehen bekommen. Bizarre Gestalten, die über die Hänge von Schluchtwänden huschten und Pfeile und Speere von oben schleuderten. Schließlich die Steinlawine, die zwei ganze Züge verschüttete, fast einhundert Mann. Das vereiste Karstfeld, wo die Pferde eingebrochen waren und der ganze Troß ins Stocken kam und Umwege erkunden mußte. Mehrere der Kundschafter aus dem schlachtengewohnten Galliko waren nicht mehr zurückgekehrt. Dann die nächtlichen Angriffe. Die Dunkelheit so undurchdringlich wie Rauch. Ein seltsamer Geruch nach verbrannten Gewürzen. Haarige Schemen, mit den klirrenden Münzen der zivilisierten Welt verziert, griffen mit Steinschleudern an, warfen Speere und zogen sich dann wieder zurück. Immer mehr Verwundete. Immer mehr wurden krank von der Kälte, der Anspannung, den gelblichen Gasen, die überall waberten, und dem schlechten Wasser, das von der Haut abperlte wie Öl.

Nur den Magiern konnte das Fieber nichts anhaben. Sie waren eine eigene Einheit, meist unter sich, und sie schützten sich mit Kräutern und Bemalungen und komplizierten Ritualen. Es waren merkwürdige Menschen. Die meisten waren Priester der zehn Gottheiten, aber es waren auch andere unter ihnen, lebendige Rätsel. Einer war zwergwüchsig und hatte bunt gefärbte Zähne, ein anderer war am ganzen Leibe tätowiert. Zwei Frauen waren dabei, die blind waren und sich fortwährend an den Händen hielten. Ein Dunkelhäutiger mit langen Zöpfen, der sich selbst geißelte, um zu Kräften zu kommen. Einer hatte honiggelbes Haar und wurde unablässig von Bienen umschwärmt, obwohl der Winter hier im Norden noch härter war als in den mittleren Landen.

Im Winter ist der Feind am schwächsten, hatte es in der Hauptstadt Aldava geheißen. Im Winter schlafen die Affenmenschen in dunklen Höhlen und sind betäubt vom Qualm kokelnder Weinblätter. Auch die anderen Ungeheuer, die es hier oben jenseits der Felsenwüste gab, sollten im Winter ruhen oder träge vom im Herbst angefutterten Fett sein. Bislang hatten sich zwei Zusammenstöße mit Ungeheuern ereignet, der erste mit einem riesigen Panzerlöwen und der zweite mit einem Rudel Haihunde. Alle hatten ausgeruht und hungrig gewirkt, und alle hatten sie weitere Kerben in den torkelnden Heerwurm

Titel
Die dunkle Quelle
Untertitel
Im Zeichen des Mammuts 1
EAN
9783492980517
ISBN
978-3-492-98051-7
Format
E-Book (epub)
Herausgeber
Veröffentlichung
17.02.2014
Digitaler Kopierschutz
Wasserzeichen
Dateigrösse
3.16 MB
Anzahl Seiten
384
Jahr
2014
Untertitel
Deutsch
Features
Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet