In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten war ein grundlegender Wandel im Bereich sozialer Kontrolle zu beobachten, der bis heute seinen Abschluss nicht gefunden hat. Dabei unterliegt mit teilweise deutlichen Differenzen zwischen den USA, Großbritannien und Kontinentaleuropa sowohl das Verständnis von Devianz und sozialer Kontrolle einer Veränderung, als auch deren Mechanismen, Techniken und Institutionen. Die vorliegende Arbeit will zum einen diese E- wicklung und den Stand sozialer Kontrolle am Beginn des 21. Jahrhunderts skiz- 1 zieren. Zum anderen sollen Eckpunkte für eine Kritik dieser gegenwärtigen Formation sozialer Kontrolle aufgezeigt werden. Dabei legen wir ein besonderes Augenmerk darauf, dass soziale Kontrolle sowohl von ihrem Gegenstand her als auch in ihrer konkreten Ausprägung nur vor dem Hintergrund der jeweils bes- henden gesellschaftlichen Bedingungen verstanden werden kann. 1. 1 Soziale Kontrolle: Begriff und Erscheinungsformen Sozialkontrolle als Begriff umfasst sowohl staatliche als auch private Mechan- men und Techniken, mit denen eine Gesellschaft oder eine sonstige soziale Gruppe versucht, ihre Mitglieder dazu anzuhalten, den von ihr aufgestellten Normen als Verhaltensanforderungen Folge zu leisten. Sie reicht von der Soz- lisation als Vermittlungsinstanz über Familie, Schule und soziales Umfeld bis hin zur staatlichen Strafverfolgung und umfasst dementsprechend sehr unter- 2 schiedliche Institutionen, Mechanismen und Techniken. Dabei können jeweils zwei Ebenen unterschieden werden: eine Ebene der Normgenese, auf der Verh- tensanforderungen aufgestellt werden, und eine Durchsetzungsebene, auf der die Befolgung sozialer Normen gewährleistet werden soll. Die Reaktion auf abw- chendes Verhalten macht daher nur einen Teilbereichsozialer Kontrolle aus.

Soziale Kontrolle und das gesellschaftliche Verständnis von Sicherheit haben sich grundlegend verändert. Das Buch stellt diesen Wandel dar und interpretiert ihn als Herausbildung einer neuen Formation sozialer Kontrolle, die sich als Sicherheitsgesellschaft beschreiben lässt. Diese Entwicklung wird vor dem Hintergrund der ökonomischen, soziokulturellen und diskursiven Umbrüche der vergangenen Jahrzehnte analysiert, die die Grundlage dafür bilden, dass Staat und Gesellschaft Kriminalität und Abweichung heute anders verstehen und anders darauf reagieren. Hiervon ausgehend werden Grundzüge einer Kritik skizziert und ein Ausblick auf Alternativen gegeben.


Vorwort
Die aktuelle Analyse sozialer Kontrolle

Autorentext
Dr. Tobias Singelnstein ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Kriminologie und Strafrecht am Fachbereich Rechtswissenschaft der Freien Universität Berlin.

Peer Stolle ist als Rechtsanwalt in Berlin tätig und war Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Strafrecht, Strafprozessrecht, Wirtschaftsstrafrecht und Kriminologie an der Juristischen Fakultät der TU Dresden.


Klappentext
Soziale Kontrolle verändert sich in hohem Tempo. Online-Durchsuchungen von Computern, Vorratsspeicherung von Telekommunikationsdaten, Videoüberwachung sowie steigende Gefangenenzahlen und Verschärfung des Jugendstrafrechts sind nur einige Beispiele hierfür, die in der tagespolitischen Diskussion scheinbar unabhängig nebeneinander stehen. Tatsächlich sind sie jedoch Ausdruck eines grundlegenden
Wandels sozialer Kontrolle und des gesellschaftlichen Verständnisses von Sicherheit.
Das Buch stellt diesen Wandel dar und interpretiert ihn als Herausbildung einer neuen Formation sozialer Kontrolle, die mit Techniken der Selbstführung, der Kontrolle und des Ausschlusses arbeitet. Diese Entwicklung wird vor
dem Hintergrund der ökonomischen, soziokulturellen und diskursiven Umbrüche der vergangenen Jahre analysiert, die die Grundlage dafür bilden, dass Staat und Gesellschaft Kriminalität und Abweichung heute anders verstehen und anders darauf reagieren. Hiervon ausgehend werden im Anschluss Grundzüge einer Kritik skizziert und ein Ausblick auf Alternativen gegeben.

[...] eine dichte Zusammenstellung von Grundzügen und Entwicklungslinien spätmo-derner Sicherheitsarchitekturen [...]
Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 2006, S. 750

Empfehlenswert für Leser aus dem Bereich des Strafrechts, der Kriminologie, Sozio-logie und Politik, die ihren Horizont um eine kritische Perspektive erweitern wollen.
Neue Kriminalpolitik 2006, S. 159



Inhalt
Einführung.- Gesellschaft im Wandel.- Wandel der gesellschaftlichen Bedingungen sozialer Kontrolle.- Soziale Kontrolle der Gegenwart.- Grundzüge einer Kritik.- Gesellschaftspolitischer Ausblick.- Fazit.
Titel
Die Sicherheitsgesellschaft
Untertitel
Soziale Kontrolle im 21. Jahrhundert
EAN
9783531908649
Format
E-Book (pdf)
Veröffentlichung
09.05.2008
Digitaler Kopierschutz
Wasserzeichen
Dateigrösse
0.97 MB
Anzahl Seiten
181
Auflage
2. Aufl. 2008
Lesemotiv