Giovanni isst seit über 100 Jahren regelmäßig Minestrone zum Mittag, Corradino fährt mit 96 noch Fahrrad, und die 93-jährige Signora backt regelmäßig ihr eigenes Brot mit Olivenöl und Rosmarin. Das Dorf Campodimele in den Auruncibergen nennen Wissenschaftler der Weltgesundheitsorganisation den 'Ort der Ewigkeit'. Die Bewohner leben nicht nur länger, bekommen seltener Krebs, Herzbeschwerden oder Diabetes, sondern sind auch im hohen Alter noch aktiv und gesund. Tracey Lawson dokumentiert ein Jahr im Leben der Dorfbewohner. Dabei konzentriert sie sich vor allem auf deren Koch- und Essgewohnheiten, die der Schlüssel zu einem langen Leben sind. Die Rezepte der einfachen Gerichte, die dem Jahresrhythmus der Pflanzen und Tiere folgen, können auch viel beschäftigte Stadtmenschen nachkochen und genießen.

Tracey Lawson hat die italienische Küche und Lebensart in der Toskana kennengelernt, wo sie als Englischlehrerin arbeitete. Sie schrieb viele Jahre Artikel und Features für englische Zeitschriften aus dem In- und Ausland.

Autorentext

Tracey Lawson hat die italienische Küche und Lebensart in der Toskana kennengelernt, wo sie als Englischlehrerin arbeitete. Sie schrieb viele Jahre Artikel und Features für englische Zeitschriften aus dem In- und Ausland.



Leseprobe

Die ewige Tafel

Kommen Sie im Frühjahr nach Campodimele, frühmorgens, wenn es noch kühl ist, obwohl sich die Sonne schon über die Aurunker Gipfel ergießt.

Sie finden das Dorf am Ende der Bergstraße, die sich schlangenlinienförmig an bewaldeten Felswänden entlang und durch frisch ergrünte Baumtunnel windet.

Parken Sie am Dorfeingang bei der Statue des Padre Pio, und wenn Sie einen Moment lang auf die Anfahrtsstrecke zurückblicken, können Sie im Talgrund die letzten Dunstschwaden abziehen sehen.

Nun nimmt man die hinter dem Dorf bergauf führende Abzweigung der Straße - der entlang die steinernen Hühnerställe stehen. Gut möglich, dass Sie dort einigen der Leute begegnen, die in diesem Buch eine Rolle spielen.

Gerardo vielleicht, der auf seinem altersschwachen Motorroller vorbeiflitzt, auf dem er nun schon so viele seiner neunundsiebzig Lebensjahre unterwegs ist. Maria, die auf ihren dreiundachtzigjährigen Beinen ihre Hennen den Hang hinaufscheucht. Oder Archimede, der seinen Ruhestand mit regelmäßigen Sieben-Kilometer-Läufen auf Bergpfaden verbringt.

Ein Stück weiter oben stößt man dann auf die Stadtmauer aus dem 11. Jahrhundert, die Campodimeles mittelalterlichen Kern, den borgo, umschließt. Direkt vor einem liegt eine überdachte Gasse, die durch diese Befestigungsmauer hindurchführt, und wenn man in die jahrhundertealten Schatten hinein- und dann irgendwann wieder daraus auftaucht, wird man schließlich auf die alte Piazza hinaustreten. Hier stehen über steinerne Treppen erreichbar mehrgeschossige Häuser, geschmückt mit roten Geranien, die kaskadenartig aus Terrakottatöpfen quellen. Schon jetzt sind die Haustüren aufgerissen, und Küchendüfte von Knoblauch, Basilikum und süßen Tomaten wehen ins Freie.

Wenn Sie am Haus mit dem Wandbild der Jungfrau Maria vorbeigehen und dann die geschwungenen Treppe hinabsteigen, liegt unter Ihnen der Hauptplatz der Stadt - wahrscheinlich bleiben Sie schon auf der ersten Stufe stehen, um die Aussicht zu genießen, die sich von steil abfallenden Rändern des Platzes bis ins Liri-Tal und zum Tyrrhenischen Meer hin erstreckt.

Sollte zufällig Mittwoch, also Markttag sein, könnten Sie auch Assunta begegnen, die womöglich gerade - aus den Zitrushainen des benachbarten Fondi stammende - Orangen kauft und deren strahlende Augen ihre dreiundsiebzig Jahre Lügen strafen. Vielleicht aber ist sie auch unterwegs, um auf den umgebenden Wiesen nach essbaren Wildpflanzen zu suchen. Oder Sie sehen Adalgesia, die den Wochenmarkt eher als geselliges Ereignis betrachtet, da sie auch mit inzwischen Mitte siebzig noch immer fast alle Nahrungsmittel für ihre Familie selbst anbaut.

Dies sind nur einige der Leute, die ich in Campodimele kennengelernt habe - jenem italienischen Dorf, das seine Besucher mit einem Schild willkommen heißt, auf dem unübersehbar sein Spitzname, 'Il Paese della Longevità', 'Das Dorf der Langlebigkeit' prangt.

Andere, darunter Wissenschaftler und Mediziner, haben Campodimele bekanntermaßen auch schon als 'Il Paese dell'eterna Giovinezza' - 'Das Dorf der ewigen Jugend' - bezeichnet oder, wie ich es bei mir noch lieber nenne, das Dorf der Ewigkeit.

Warum dies so ist? Nun, die Campomelani erfreuen sich derart guter Gesundheit und hoher Lebenserwartung, dass dies nicht nur die Aufmerksamkeit italienischer, sondern auch ausländischer Ärzte erregte.

Nach Angaben der Comune di Campodimele sind 111 von 671 Einwohnern des Dorfes zwischen 75 und 103 Jahre alt. Das heißt, dass - während ich dies hier schreibe - 16,6 Prozent der Bevölkerung über 75 sind. Die jüngsten, 2009 erhobenen statistischen Zahlen der Gemeinde zeigen, dass die durchschnittliche Lebenserwartung sowohl von Männern als auch Frauen 95 Jahre beträgt. Im Vergleich dazu werden italienische Männer im Durchschnitt 77,5, italienische Frauen 83,5 Jahre alt, während in der europäischen Uni

Titel
Das Geheimnis von Campodimele: Rezepte für ein langes Leben
Übersetzer
EAN
9783827075178
Format
E-Book (epub)
Hersteller
Herausgeber
Digitaler Kopierschutz
Wasserzeichen
Dateigrösse
16.09 MB
Anzahl Seiten
450
Features
Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet