Ohne Öl keine erdumspannende Mobilität, ohne Seltene Erden keine Handys, ohne Phosphat kein billiger Dünger. Wie ein Junkie von seiner Droge ist unsere Zivilisation abhängig von den Schätzen, die die Erde birgt. Doch die Anzeichen mehren sich, dass die Zeit billiger Rohstoffe bald vorbei sein wird. Wie wird sich die Weltwirtschaft entwickeln, wenn sich die Fördermengen der wichtigsten Ressourcen nicht mehr steigern lassen? Welche Auswirkungen sind zu erwarten, wenn die Exploration auch vor sensiblen Regionen wie den Ozeanen und den Polen nicht Halt macht? Welchen Beitrag können Urban Mining und Recycling leisten und für welche Stoffe lässt sich kurzfristig adäquater Ersatz finden? Unterstützt von einem 15-köpfigen internationalen Expertengremium liefert der italienische Chemiker und Analyst Ugo Bardi eine umfassende Bestandsaufnahme der Rohstoffsituation unseres Planeten, und er zeigt auf, wie wir unseren Alltag, unsere Politik und unsere Art zu wirtschaften ändern müssen, wenn wir unseren Lebensstandard halten wollen.
Ugo Bardi zählt zu den weltweit führenden Rohstoffexperten. Er lehrt Chemie an der Universität Florenz, ist Mitglied der NGO Association for the Study of Peak Oil (ASPO) und betreibt ein Blog namens Cassandra's Legacy (www.cassandralegacy@blogspot.com).

"Ein faktenreicher, gut lesbarer Weckruf über die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen." (Giorgio Nebbia, Prof. für Wirtschaftswissenschaften, Universität Bari/Italien)

Autorentext
Ugo Bardi zählt zu den weltweit führenden Rohstoffexperten. Er lehrt Chemie an der Universität Florenz, ist Mitglied der NGO Association for the Study of Peak Oil (ASPO) und betreibt ein Blog namens Cassandra's Legacy (www.cassandralegacy@blogspot.com).

Leseprobe
Einführung Die Grenzen des Wachstums
rücken näher Die große Geschichte des Bergbaus nahm ihren Anfang vor Zehntausenden von Jahren, als unsere fernen Vorfahren erstmals Löcher in die Erde gruben, um werkzeugtaugliche Steine zu finden. Das war der bescheidene Auftakt einer Revolution, aus der die moderne Bergbauindustrie hervorging, eine Industrie, die heute Milliarden von Tonnen Material abbaut und verarbeitet. Es ist dieser gigantische Zufluss an Mineralrohstoffen, der der weltweiten Industriewirtschaft die Energie und die lebenswichtigen Ressourcen liefert, die sie braucht, um auch weiterhin Güter und Dienstleistungen zu produzieren. Doch während die Ausplünderung der Erde fortschreitet, ist immer häufiger die Befürchtung zu hören, die Bodenschätze könnten uns "ausgehen". Ängste dieser Art wurden immer wieder als Kassandrarufe verlacht. Und doch dürfen wir nicht vergessen, dass die Erde ein endlicher Planet ist, und auch die Adern sind endlich, die Erze und die Flöze, aus denen wir die Mineralien gewinnen. Die Frage, wie lange diese Vorräte wohl noch reichen werden, ist also durchaus berechtigt. Und ebenso berechtigt ist die Frage, wie sich deren allmähliche Erschöpfung auf die Wirtschaft auswirken wird - und zwar schon lange bevor der jeweilige Stoff definitiv nicht mehr zur Verfügung steht. Und mit noch viel mehr Recht darf man fragen, welche Folgen es haben wird, wenn wir die abgebauten Rohstoffe über das ganze Ökosystem verteilen; es geht also um die Folgen dessen, was wir als "Umweltverschmutzung" definieren. Viele dieser Materialien sind für den Menschen giftig und der Abbau fossiler Kohlenwasserstoffe führt im letzten Ergebnis zu Kohlendioxid (CO2), das sich auf das gesamte Ökosystem negativ auswirkt und das Erdklima unwiderruflich verändert. Eine der ersten Studien, die diese Probleme zu analysieren und zu quantifizieren versuchten, erschien 1972 unter dem Titel Grenzen des Wachstums 1 . Sie wurde vom Club of Rome gefördert, einer Denkfabrik von Intellektuellen, die sich über die Zukunft der Erde Gedanken machten. Durchgeführt wurde sie von einer Forschergruppe am Massachussetts Institute of Technology. Von Anfang an war die Studie mit dem Ziel konzipiert, ein Gesamtbild zu erstellen und nicht einfach nur die grob vereinfachende Vorstellung von den "zur Neige gehenden Ressourcen" zu behandeln. Da man die besten Computer der damaligen Zeit zur Verfügung hatte, konnte die Studie Grenzen des Wachstums die Interaktion verschiedener Parameter des Weltwirtschaftssystems berücksichtigen und Szenarien für die mögliche Entwicklung des Systems bis zum Ende des 21. Jahrhunderts entwerfen. Die steigenden Kosten bei der Ressourcenförderung und beim Kampf gegen die durch die industriellen Prozesse entstehende Umweltverschmutzung waren in der Studie einkalkuliert. Die Ergebnisse ließen für Optimismus wenig Raum. Die Kombination aus Ressourcenverknappung und Schäden, die aus der Umweltverschmutzung herrührten, würde irgendwann in nicht allzu ferner Zukunft mit Sicherheit das Wirtschaftswachstum zum Stillstand bringen und einen unumkehrbaren Niedergang des industriellen wie auch des agrarwirtschaftlichen Systems bewirken. Das "Basisfall"-Szenario, das von den zuverlässigsten Daten ausging, die man seinerzeit zur Verfügung hatte, ließ den Beginn des Niedergangs zu einem Zeitpunkt in den ersten Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts erwarten. Weitere Szenarien, die auf anderen Einschätzungen der Eingabeparameter beruhten, errechneten den Niedergang für einen späteren Zeitpunkt; vermeidbar erschien er aber auch hier nicht. Allein ein radikaler Wandel in der Organisation der Weltwirtschaft könnte, so die Studie, den Niedergang verhindern und das Wirtschaftssystem langfristig stabilisieren. Um dieses Ziel zu erreichen, empfahlen die Autoren Maßnahmen wie die Begrenzung des industriellen Wachstums und des Abbaus von Mineralressourcen. Empfohlen wurde

Inhalt
1;Der geplünderte Planet;1
2;Inhaltsverzeichnis;5
3;Vorwort von Ernst Ulrich von Weizsäcker;9
4;EINFÜHRUNG. Die Grenzen des Wachstums rücken näher;135;KAPITEL 1. Gaias Gaben: die Herkunft der Bodenschätze;19
5.1;Die Geburt einer neuen Wissenschaft;19
5.2;Ein Planet wird geboren;29
5.3;Gaia: der lebende Planet;33
5.4;Erze: Gaias Gaben;43
5.5;Gaias Tod;59
6;KAPITEL 2. Der geplünderte Planet: die Geschichte des Bergbaus;63
6.1;Die lange Geschichte des Bergbaus;63
6.2;Die Entstehung des Bergbaus;73
6.3;Fossile Brennstoffe und die Geburt des modernen Bergbaus;85
6.4;Die kurze Periode der Atomenergie;93
6.5;Eine riesige Industrie in permanenter Entwicklung;103
7;KAPITEL 3. Auf Bodenschätze gegründete Weltreiche: Bergbau und Kriege;109
7.1;Eine Welt ohne Geld;109
7.2;Die Geburt der Münzwährung;111
7.3;Münzprägung als Kriegswaffe;125
7.4;Auf Mineralien gegründete Weltreiche;128
7.5;Globale Handelsimperien;140
7.6;Auf fossilen Brennstoffen gegründete Weltreiche;144
8;KAPITEL 4. Eine Universalmaschine für den Bergbau: Mineralien und Energie;153
8.1;Eine Universalmaschine für den Bergbau;153
8.2;Energie und Mineralgewinnung;154
8.3;Mineralabbau in den Ozeanen;166
8.4;Der Stein der Weisen;177
8.5;Mineralabbau im Sonnensystem;180
8.6;Ressourcenknappheit ist unausweichlich;189
9;KAPITEL 5. Die Glockenkurve: ein Modell der Knappheit;191
9.1;Brennstoff für Öllampen;191
9.2;Die Glockenkurve;193
9.3;Modelle für Knappheit;203
9.4;Die Tragik der Allmende im Bereich der Mineralien;206
9.5;Füchse und Hasen;210
9.6;Die Achillesferse der Mineralindustrie;212
9.7;Perspektiven der Mineralienknappheit;220
10;KAPITEL 6. Die dunkle Seite des Bergbaus: Umweltverschmutzung und Klimawandel;225
10.1;Wie ich dich liebe, Mary!;225
10.2;Abfälle des Bergbaus;228
10.3;Abfall, Abfall überall!;241
10.4;Schwermetallabfall: Quecksilber und andere Giftstoffe;246
10.5;Abfall der Moderne: Treibhausgase;257
10.6;Das Anthropozän;268
11;KAPITEL 7. Die Red-Queen-Hypothese: die Zukunft der Zivilisation;271
11.1;Wettlauf nach den Regeln der Roten Königin;271
11.2;Substitution;274
11.3;Wiederverwertung u…
Titel
Der geplünderte Planet
Untertitel
Die Zukunft des Menschen im Zeitalter schwindender Ressourcen
EAN
9783865816474
Format
E-Book (pdf)
Hersteller
Herausgeber
Digitaler Kopierschutz
frei
Dateigrösse
4.26 MB
Anzahl Seiten
360
Lesemotiv