Inmitten der traumhaften Landschaft Südtirols müssen die Kommissare Matteo Zanchetti und Sonja Schwarz den Tod eines pensionierten Richters aufklären, der in seinem eigenen Haus erschossen wurde. Schon bald sind sie einer Einbruchserie auf der Spur, bei der Alarmanlagen auf rätselhafte Weise außer Betrieb gesetzt werden. Und dann wird auch noch ein toter Arbeiter im Marmorsteinbruch aufgefunden. Doch wer steckt hinter all dem? Und welche Rolle spielt der Mafiaboss Francesco Rossi?

Leseprobe
3.

Das Auto flitzte durch den Tunnel aus Nacht nach Norden. Im Inneren des Wagens herrschte Schweigen. Die Frau und der Mann saßen auf ihren Sitzen einfach nur nebeneinander und folgten ihren Gedanken, die um dasselbe Thema kreisten, während die Scheinwerfer der anderen Fahrzeuge eine Prozession aus gelben, weißen und roten Glühwürmchen bildeten. Sie dachte hin und wieder, dass er viel zu schnell fuhr, er wusste, dass er raste, doch der Audi TT stellte einen Teil seines Körpers dar. Er war mit der Maschine auf Gedeih und Verderb verbunden. Vielleicht wäre es besser, wenn sie führe, doch das konnte er nicht zulassen, weil er es nicht ertrug, völlig seinen Gedanken ausgeliefert zu sein. Untätigkeit war das Letzte, was er jetzt brauchte. Die Konzentration, die das Fahren erforderte, bildete einen Wall gegen die peinigenden Gedanken, die ihn seit der Besprechung mit Carla Pisani und ihrem Chef Lorenzo di Ruggierio in der Zentrale der Anti-Camorra-Behörde bestürmten. Ihr Bericht hatte ihn kalt erwischt. Unvermittelt stand er an einem Wendepunkt - und Sonja Schwarz wusste das. Im Grunde hatten sie den Kampf gegen die Camorra längst verloren, sie gestanden es sich nur nicht ein, weil sonst der letzte Wall auch noch brach. Ach dieser letzte, dieser traurige Wall.

Was dem Bozener Commissario Capo Matteo Zanchetti von der Ermittlerin der DIA, Carla Pisani, eröffnet wurde, war nichts anderes als die Dokumentation seines gründlichen Scheiterns. In den quälenden Minuten, in denen er Carlas Vortrag über die Ausbreitung der Camorra im Südtirol folgte, wuchs die Einsicht, dass alles vergeblich gewesen war, seine Arbeit als verdeckter Ermittler, die sein Privatleben vernichtet und die große Liebe seines Lebens getötet hatte. Er fühlte sich noch immer schuldig, nur, dass er zuweilen fühlte, dass die Schuld von Jahr zu Jahr wuchs, er weder Vergebung noch Erlösung fand. Aber auch die besondere Aufmerksamkeit, die er als Kripochef in Bozen der Camorra, besonders Francesco Rossi, geschenkt hatte, hatte bei Weitem nicht ausgereicht, die Ausbreitung der »Familie« auch nur um eine Sekunde zu verlangsamen. Rossi hatte mit ihm gespielt, wie man mit einem Welpen spielt, und ihn schließlich einfach ausgetrickst. Ganz klar, der Mafioso war ihm überlegen. Schmach brannte in ihm, Schmach und Scham, denn nicht nur sein Stolz war verletzt, sondern er schämte sich auch für sein Versagen. Die Verletzung reichte so tief, dass es ihn nicht einmal interessierte, ob Carla es genoss, ihn vorzuführen.

Sonja und Matteo hatten die Zentrale der Anti-Camorra-Behörde, der DIA (Direzione Investigativa Anti Camorra), in der Via Torre di Mezzavia in Rom gegen 21 Uhr nach einem kurzen, unterkühlten Abschied von Carla und di Ruggierio schweigend verlassen. Er stürmte durch die Korridore, raunte ihr zu, dass er über Carla Pisanis Angebot nicht zu reden wünschte, wiewohl er keinerlei Interesse an einer Unterhaltung zeigte, ließ er den Fahrstuhl rechts liegen und lief die vier Treppen zur Parkgarage herunter, so dass Sonja Schwierigkeiten hatte, Schritt zu halten. Wütend hatte er sich hinter das Steuer gesetzt und war mit aufheulendem Motor losgefahren, links auf die Via Cesare Polacco. Im nächsten Kreisverkehr hatte er dann die erste Ausfahrt genommen, die ihn auf die A 1 Richtung Neapel führte. Hier im Latium berührte der Frühling in seiner Blütenpracht bereits den Sommer. Die Strecke kannte er im Schlaf. Es hatte eine Zeit in seinem Leben gegeben, da war er hier 14-täglich entlanggefahren. Diesmal jedoch blieb er auf der Autostrada, die in den Norden führte, und bog nicht auf die A 1 Richtung Salaria ab. Damals wie heute arbeitete er als Ermittler, nur dass er in Bari verdeckt aufklärte und in Bozen inzwischen der Chef der Kriminalpolizei war. Letzteres gefiel ihm weitaus besser und mit keiner Faser seines Herzens sehnte er sich nach seinem früheren Leben zurück, auch wenn es abenteuerlicher, unkonventionel

Titel
Der Bozen-Krimi - Der Pate
Untertitel
Leichte Beute - Falsches Spiel
EAN
9783839258743
Format
E-Book (epub)
Hersteller
Herausgeber
Digitaler Kopierschutz
frei
Dateigrösse
2.14 MB
Anzahl Seiten
315
Features
Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet
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